Die "Höheren Töchter" in Rosenheim

um 1908
Höhere Töchterschule mit Erziehungsinstitut, 1908

An eine gymnasiale Ausbildung für Mädchen war bis Ende des 19. Jahrhunderts in Rosenheim nicht gedacht. Erst 1890 wurde unter der Leitung von Armen Schulschwestern aus München eine dreiklassige Anstalt im Mädchen-Schulhaus an der Heilig-Geist-Straße eingerichtet. Nachdem die Zahl der Schülerinnen aber kontinuierlich anstieg und der Ausbau zu einer sechsklassigen Anstalt bevorstand, errichtete die Stadt Rosenheim in den Jahren 1907/08 ein neues Schulhaus mit Internat an der Ebersberger Straße, das ein Jahr später mit dem neuen Schuljahr als „Städtische Höhere Töchterschule mit Erziehungsinstitut" eröffnet, von der Stadt unterhalten und von den Armen Schulschwestern geleitet wurde. Die erhöhten Ansprüche an das Bildungsniveau der Mädchen führten später zu einer zweigleisigen Schulform: den bisherigen Lernzielen entsprach nun die 1916 errichtete dreiklassige Mädchen-Mittelschule bzw. Realschule, die weitergehenden Anforderungen deckte die sechsklassige „Höhere Mädchenschule neuer Ordnung" ab, die mit zwei Pflichtfremdsprachen und schriftlicher Abschlußprüfung ab 1925 auch Lyzeum hieß. Im Dritten Reich wurde den Armen Schulschwestern die Unterrichtserlaubnis entzogen und die Schule als „Städtische Mädchen-Oberschule" weitergeführt. An wechselnden Orten und mit unterschiedlichen Namen wurde die Schule schließlich 1969 verstaatlicht und in Karolinengymnasium umbenannt.
Das Kalenderbild zeigt den Turnunterricht der Mädchen im Schulpark, bei dem vor allem eine graziöse Körperhaltung durch Atem-, Hang- und Schwingübungen an Ringen und Seilen ausgebildet werden sollte.

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2000/7

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