Blick über die östliche Altstadt zu den Innauen, 1892

1892
Blick über die östliche Altstadt zu den Innauen, 1892

Das Kalenderbild entstand 1892 und zeigt den Blick vom Nikolausturm in Richtung Nordosten. Am unteren Bildrand ist die Dachlandschaft des Mittertors zu sehen. Eine Zwiebelkuppel bedeckt seit der Mitte des 17. Jahrhunderts den an den Torbau angebauten Turm. Die achteckige, unmittelbar unter der Zwiebel gelegene Turmstube besitzt jeweils ein Fenster zum Max-Josefs- und zum Ludwigsplatz. Ganz links unten erkennt man das Finsterwalder-Haus. Seit dem Jahr 1640 war es im Besitz der Bäckerfamilie Amann. Durch die Hochzeit des aus der Nähe von Weilheim stammenden Bäckers Johann Finsterwalder mit Anna Amann im Jahr 1860 wurde der Name Finsterwalder auf dem Anwesen begründet. Die Bäckerei bestand bis Ende der 1990er Jahre. Daneben fällt der Blick auf Bürgerhäuser an der Kaiserstraße, der ehemaligen Wiesengasse. Im Hintergrund sind die ausgedehnten Nebengebäude des einstigen, 1833 gegründeten Hofbräus zu sehen. Saalbau und Sudhaus wurden mit ihren Sichtziegelfassaden nach einem Brand 1876 neu erbaut. Die Brauerei war bis 1960 in Betrieb. Die Bürgerhäuser an der Ostseite des Ludwigsplatzes, im Vordergrund des Bildes, präsentieren sich mit ihren waagrechten Fassadenabschlüssen als markante Beispiele des in der Frühen Neuzeit entstandenen Innstadthaustyps. Während bei den beiden Häusern rechts im Lauf des 19. Jahrhunderts die Dachgeschosse ausgebaut und die historischen Grabendächer aufgegeben wurden, sind sie auf der Fotografie bei den beiden Häusern in der Bildmitte, dem damaligen Gasthaus „Zum Bauernwirt“ und der „Rieder`schen Apotheke“, noch vorhanden.
Das Bild zeigt auch einrucksvoll, dass die Stadt in den 1890er Jahren im Nordosten noch kaum über ihren mittelalterlichen Stadtgrundriss hinausgewachsen war. Nur im Bereich der Ellmaierstraße lagen seit den 1870er Jahren einige kleinbürgerliche Wohnhäuser und das neue Städtische Krankenhaus (errichtet 1873– 75). Als die Ansicht entstand, hatte die örtliche Bautätigkeit ihren Schwerpunkt im westlichen Teil der Stadt, wohin sich infolge der Verlegung des Bahnhofs 1876 die Zentrumsfunktionen verlagert hatten und zahlreiche neue Wohn- und Geschäftshäuser erbaut wurden.

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2012/3

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