Stephanskirchen — Außenlager des Konzentrationslagers Dachau

Obwohl die Regionalgeschichte, und insbesondere die des Dritten Reiches, in den letzten Jahren geradezu in Mode gekommen ist,1) bleibt die historische Aufarbeitung der zahlreichen Nebenlager und Außenkommandos der großen Konzentrationslager bislang ein Desiderat der Forschung.2) Es mangelt nicht nur an der Methodologie, sondern auch an schriftlichen und mündlichen Quellen, die desto mehr versiegen, je näher die regionale Umsetzung des Programms „Vernichtung durch Arbeit" lag. Dies ist um so erstaunlicher, als es im Deutschen Reich insgesamt 1634 nach dem Bundesentschädigungsgesetz anerkannte Konzentrationslager und Außenkommandos gab. Das Hauptlager Dachau unterhielt rund 160 dieser Einrichtungen,3) die auch ein Bestandteil des nationalsozialistischen Alltags unserer Region waren. Neben Rosenheim und Stephanskirchen sind beispielhaft zu nennen: Sudelfeld, Thansau, Steinhöring, Fisch-bachau, Haifing, Traunstein, Bayrischzell.4)

Organisation und Funktion der Nebenlager

Der Begriff „Nebenlager" ist nicht eindeutig definiert, andere Bezeichnungen werden oft gleichbedeutend verwendet, wie Außenlager, Außenkommando, Konzentrations-Arbeitslager oder ähnliches.5) Es mag hier genügen, zwischen einem Lager als stationärer Einrichtung und einem Kommando als dessen mobilen Arbeitstrupp, der am Abend zurückkehrte, zu unterscheiden. Wurden die Entfernungen zu groß, mußten eigene Außen- oder Nebenlager errichtet werden, die organisatorisch mit dem Stammoder Hauptlager verbunden blieben, wie im Fall Haidholzen oder auch Rosenheim.6) Alle Konzentrationslager waren dem Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS unterstellt. Ab Oktober 1944 lief die Anforderung von Häftlingen über das Rüstungsministerium.7) Während jener Zeit entstand nochmals ein Netz von Außenlagern und Außenkommandos, in denen die Mehrzahl der in Rüstungsbetrieben arbeitenden Häftlinge unter oft menschenverachtenden Bedingungen untergebracht waren.8)
Vor allem in den letzten Kriegsjahren wurden von der Wehrmacht für den Arbeitseinsatz bestimmte Kriegsgefangene an die SS überstellt, die in den Konzentrationslagern eigene Kriegsgefangenenabteilungen bildeten. Vornehmlich hieraus wird sich wohl, soweit nachvollziehbar, die Belegschaft des Nebenlagers Haidholzen rekrutiert haben.

Das Nebenlager Stephanskirchen 9)

In Haidholzen, Gemeinde Stephanskirchen, war nach Angaben der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen (ZSL) Ludwigsburg, die allerdings von anderen Unterlagen geringfügig abweichen, in der Zeit vom 4. Dezember 1944 bis zum 31. März 1945 ein selbständiges Nebenlager errichtet. Die nach dort abgestellten Häftlinge waren in den BMW-Werken und bei der Chiemgauer Vertriebsgesellschaft in Arbeitseinsatz.10) Die nach den Akten der ZSL rund 200 Häftlinge unterschiedlicher Nationalität, vorwiegend Polen, Russen und Franzosen, waren in einer Barakkensiedlung auf dem Gelände der Flak-Kaserne, an deren Stelle später der Ortsteil Haidholzen entstand, untergebracht.11) Aus einer Unfallmeldung nach Dachau vom 27. Dezember 1944 geht hervor, daß ein Teil der Häftlinge auch im Pernlohner Keller seine Unterkunft hatte.12)
Erst 1975 wurde an seinem Wohnort in Polen der einzige für dieses Lager ermittelte, noch lebende Zeuge von der Staatsanwaltschaft befragt.13) Er gab an, von Anfang 1945 bis März 1945 in Stephanskirchen inhaftiert gewesen zu sein. Schon vorher arbeitete er, Mitte 1944 aus Dachau abkommandiert, im Nebenlager Allach für BMW beim Bau einer Fabrikhalle. In Stephanskirchen wurde er ausschließlich zu Arbeiten auf dem Gelände der Flak-Kaserne herangezogen. Einige Häftlinge waren aber auch, so Zeitzeugen, bei örtlichen Unternehmen eingesetzt.14)
Das Barackenlager wurde von SS-Angehörigen bewacht. Über die Unterbringung und die Lagerverhältnisse selbst liegen keine Angaben vor. Nach dem Schlußvermerk der Staatsanwaltschaft in Ludwigsburg war der ehemalige Häftling „nicht Zeuge irgendwelcher Tötungsverbrechen."15) Das dieser Feststellung zugrundeliegende Protokoll der polnischen Staatsanwaltschaft zeigt allerdings die starke, sinnentstellende Kürzung. Dort heißt es: „Mir waren die Verbrechen, die in diesem Lager verübt wurden, nicht bekannt, und ich bin ebenfalls nicht Zeuge derartiger Mordtaten gewesen."16)
Daß es zu Morden gekommen war, bestätigen auch die Akten der Dachauer Kriegsverbrecherprozesse. Von den aus amerikanischen Unterlagen namentlich bekannten dreizehn SS-Angehörigen der Bewachungsmannschaft wurden anscheinend nur zwei Fälle verhandelt, darunter nicht der Lagerführer - dessen Name der Staatsanwaltschaft unbekannt war, obwohl er in diesem Prozeß erwähnt wird - und auch nicht der SS-Oberscharführer, der die schon erwähnte Unfallmeldung unterzeichnete. In beiden Prozessen war aber das Nebenlager Stephanskirchen nicht der Schwerpunkt der Vernehmungen. Die Angeklagten wurden nach ihren Angaben im November und Dezember 1944 von Dachau nach Stephanskirchen versetzt und blieben dort bis Ende April 1945.17) Aus den Worten des Anklägers geht hervor, daß die „inmates were released and then shot shortly thereafter".18) Es soll sich um drei Zivilisten, darunter ein Holländer und ein Geistlicher, gehandelt haben. Zwei Zeitzeugen sprachen dagegen von Fluchtversuchen.19)

BMW in Stephanskirchen

Innerhalb der Rüstungsproduktion des Dritten Reiches nahm BMW eine zentrale Stellung ein. Am 1. Mai 1943 erhielten die Werke eine Auszeichnung als „Kriegs-Musterbetrieb" „in Würdigung des hervorragenden Einsatzes und der vorbildlichen Leistung [...] im Rahmen der deutschen Kriegserzeugung."20) Wesentlichen „Anteil" daran hatten die Häftlinge aus Dachau, die in Allach und später, nach der durch die Luftangriffe bedingten Produktionsauslagerung, in Zweigwerken und Nebenlagern arbeiteten.21) Nach einem Befehl des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion bezog BMW Allach im Mai / Juni 1944 als Nebenlager des KZ Natzweiler einen Tunnel von 74 Kilometern Länge und 7 Metern Breite bei Markirch im Elsaß. Diese Produktion wurde schon im September 1944, bedingt durch die Entwicklung der Kriegslage, rückverlagert. Dafür nahmen dann Trostberg, Kempten und Stephanskirchen die Werke auf,22) alles Orte mit Nebenlagern Dachaus. Vor Ort wurden die Verlagerungen nicht gerne gesehen wegen der damit verbundenen erhöhten Gefahr von Luftangriffen. Weitere Außenstellen von BMW-Allach in unserer Gegend waren in Kolbermoor (1188 Mann Belegschaft am 20. November 1944), Bruckmühl (495 im Jahre 1943), und in Feilnbach befand sich noch eine Modellschreinerei.23)
Das Zweigwerk in Stephanskirchen diente der Flugmotorenfertigung, nahm aber seine volle Produktion nie auf. In den Unterlagen des BMW-Archivs taucht dieses Werk als Chiemgauer Vertriebsgesellschaft O. H. G. auf. Zum 20. November 1944 weist es eine Belegschaft von 698 Personen auf 4000 Quadratmetern Betriebsfläche mit 167 Maschinen auf. Das Konzentrationslager war also nur ein Teil des Werkes, wie aus der Zahl der Arbeiter hervorgeht.24) Gegen Ende des Jahres 1944 berichtet der Rosenheimer Anzeiger von mehreren „Terrorangriffen" anglo-amerikanischer Bomber. Bei einem dieser Luftangriffe kamen zwei Menschen der Belegschaft ums Leben. Die Gebäude wurden zu 30 Prozent, die Maschinen zu 20 Prozent zerstört, der Schaden belief sich auf 250000 RM.25) Damit kein Häftling in die Hände der Alliierten fiel, begann im März / April 1945 nach einem Befehl Himmlers die Evakuierung der Außenlager in rückwärtige Konzentrationslager. Auf diesen Märschen kam es oftmals zu schrecklichen Szenen, weil die Häftlinge an Entkräftung starben oder von der SS erschossen wurden. Das Ende des Lagers Stephanskirchen konnte nicht mehr rekonstruiert werden.

Nachbemerkung

Im Laufe der - zeitlich befristeten -Untersuchung, die mehr Fragen stellt als Antworten gibt, zeigte sich, daß Eile bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit Not tut. Der Mangel an Zeitzeugen wird gerade bei der dürftigen schriftlichen Quellenlage überdeutlich. Vielleicht können sich die Gemeinde Stephanskirchen und die Stadt Rosenheim, nach weiteren Untersuchungen, auch dazu entschließen, mit einer Gedenktafel an die Opfer des nationalsozialistischen Gewaltregimes zu erinnern.26)

Andreas Lakowski

Anmerkungen:

1) Vgl. FREI, Alfred Georg: Geschichte aus den „Graswurzeln". In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament B 2/88, S. 35 - 46.
2) Vgl. RICHTER, Axel: Das Unterkommando Vechelde des Konzentrationslagers Neuengamme. Zum Einsatz von KZ-Häftlingen in der Rüstungsproduktion. Vechelde 1985, S. 7 ff. RÖMER, Gernot: Für die Vergessenen. Augsburg 1984.
3) KOGON, Eugen: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. Gütersloh o. J. Kogon zählt noch nach älteren Quellen nur 50 Außenlager.
4) Zahlen und Orte aus: Bundesentschädigungsgesetz, Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 64 vom 24. September 1977. Hinsichtlich Größe und Charakteristik der Nebenlager gab es deutliche Unterschiede, die hier nicht dargestellt werden können. Zu Rosenheim hegen so gut wie keine Unterlagen vor. Im Schlußvermerk der ZSL ist nur die „Existenz eines Arbeiterkommandos für Aufräumungsarbeiten als Nebenlager Rosenheim" (Az: IV 410 AR 179/73, KZ-Museum Dachau, Nr. 18.547) aufgeführt. Namensund Transportlisten sind nicht bekannt. Von den sechs namenthch bekannten Häftlingen, die nach dem Zusammenbruch durch alliierte Truppen befreit wurden, sind beim ITS in Arolsen keine Entschädigungsansprüche eingegangen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden deshalb eingestellt.
5) Vgl. FRIEDENSFORUM ELLWANGEN: Vernichtung und Gewalt. Die KZ-Außenlager Ellwangens. Ellwangen 1987, S. 55.
6) Vgl. KOGON, SS-Staat, S. 277. In Zwangsarbeitslagern kamen dagegen vor allem seit April 1942 hauptsächlich sogenannte Ostarbeiter zum Einsatz. Die wesentlich schärfere Bewachung der KZ-Lager wurde in aller Regel nur von der SS wahrgenommen.
7) Vgl. PINGEL, Falk: Häftlinge unter SS-Herrschaft. Hamburg 1978, S. 127. KOGON, SS-Staat, S. 60 ff.
8) Vgl. PINGEL, Häftlinge, S. 123 f. BROS-ZAT, Martin: Nationalsozialistische Konzentrationslager 1933 - 1945. In: BUCHHEIM, Hans u. a.: Anatomie des SS-Staates, Bd. 2, München 1982, S. 11 - 131, hier S. 98 ff. KIMMEL, Günther: Das Konzentrationslager Dachau. In: Bayern in der NS-Zeit, Bd. 2, Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, Teil A, hrsg. von Martin Broszat und Elke Fröhlich. München, Wien 1979.
9) Die Quellenlage ist äußerst dürftig wie bei vielen Nebenlagern. Da die Konzentrationslager nicht in der Verwaltung des Landes Bayern standen, finden sich in den Akten bayerischer Zentralbehörden auch kaum einschlägige Unterlagen. Nur über „archivalische Nebenwege" waren deshalb Informationen zu bekommen. Im Gemeinde- und Stadtarchiv oder auch in der örtlichen Tageszeitung fanden sich keine Spuren. Erste Hinweise erteilte das Museum des Konzentrationslagers Dachau. Im BHStA befindet sich die fast vollständige Aktenserie der nach 1945 vor dem alliierten Militärgericht in Dachau durchgeführten Strafverfahren gegen das Lagerpersonal. Die Verhandlung der Nebenlager spielte dabei aber eine untergeordnete Rolle. Die Protokolle zweier Prozesse konnten herangezogen werden.
Die Berichtsakten der amerikanischen Militärregierung für die Jahre 1945 - 1948 erbrachten keinen Befund. Die Akten der ZSL, die sich allerdings erst nach rund 30 Jahren mit den Nebenlagern zu beschäftigen begonnen hat, bieten brauchbare Hinweise. Auch im BMW-Archiv fanden sich einige Daten zu Stephanskirchen. Negativbefunde stellten das Bundesarchiv in Koblenz und der Internationale Suchdienst des Roten Kreuzes in Arolsen aus. Im Aktenreperto-rium Widerstand und Verfolgung in Bayern 1933-1945 fand sich bei der ersten Durchsicht kein entsprechendes Stichwort, die Akten des Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes der SS und anderer Stellen wurden aus Mangel an Zeit und Aussicht auf Erfolg nicht eingesehen. Dagegen konnten einige ältere Mitbürger, die zu jener Zeit nicht an der Front oder in Gefangenschaft waren, befragt werden. Aus-kunftswilligkeit und Wert der Gespräche waren unterschiedlich.
10) ZSL, IV 410 AR 1219/69. Anderen Unterlagen (siehe unten) und Zeitzeugenberichten zufolge hieß dieses BMW-Zweigwerk Chiemgauer Vertriebsgesellschaft.
11) Das Stabsgebäude und Teile der Garagen bestehen noch heute und werden von einer Süßwarenfabrik genutzt.
12) Vgl. KZ-Museum Dachau, Nr. 945. Der Unfall ereignete sich bei der abendlichen Rückfahrt „von der Arbeitsstelle Stephanskirchen zur Unterkunft Pelona-Keller." (Gemeint ist der Pernlohner Keller am Roßacker in Rosenheim.) Zehn Häftlinge waren in den Unfall verwickelt, was allerdings nur die Mindestzahl der transportierten Personen ist. Natürlich müssen in diesem Gebäude, das vorher der Reichswehr diente, mehr untergebracht gewesen sein.
13) Vgl. ZSL, IV 410 AR 1219/69. Insgesamt konnten vom ITS noch vier Namen ausfindig gemacht werden, die durch ihre Wiedergutmachungsforderungen nach 1945 in Erscheinung getreten sind.
14) Auch in der Rosenheimer Industrie waren ausländische, namentlich ukrainische Arbeitskräfte im Einsatz. Vgl. Widerstand und Verfolgung in Bayern, Bd. 6, Nr. 1100.
15) ZSL, IV 410 AR 1219/69.
16) ZSL, IV 410 AR 138/69. Es ist hier nicht der Platz, auf die mangelnde und verspätete staatsanwaltschaftliche Ermittlungstätigkeit bei der juristischen Aufarbeitung des Dritten Reiches oder deren personelle Kontinuität genauer einzugehen. Auch andere Untersuchungen über Nebenlager stellen deutliche Defizite fest. „Sätze wie ,die direkte Teilnahme konnte nicht nachgewiesen werden', ,Freispruch mangels Beweise' durchziehen die Urteilsbegründungen wie ein roter Faden.... So läßt sich eine unbestreitbare Oberflächlichkeit bei der Beweisaufnahme feststellen [...]," Aus: FRIEDENSFORUM, S. 101.
17) Vgl. BHStA, Dachauer Kriegsverbrecherprozesse, Mikrofilme Nr. 3 und 36. Die Angabe der Staatsanwaltschaft über die Dauer der Existenz des Lagers Stephanskirchen scheint also nicht ganz zu stimmen. Der Ankläger im Prozeß datiert die Morde auf den 29. April 1945, ein Zeitzeuge auf wenige Tage vor der Ankunft der Amerikaner (2. Mai).
18) Ebenda, p. 19.
19) Es ist unwahrscheinlich, daß das Nebenlager Stephanskirchen in der Bevölkerung unbekannt war, obwohl so mancher alteingesessene Rosenheimer dies vorgibt. Dagegen sprechen nicht nur die Aussagen auskunftwilliger Zeitzeugen, sondern auch die Größe des Betriebs, Außenarbeiten, Häftlingstransporte, und nicht zuletzt die Tatsache, daß viele Rosenheimer zur Zeit der Luftangriffe auf dem Gelände der Flak-Kaserne Wache stehen mußten.
Ein Schreiben an den Verfasser berichtet, unter Berufung auf Erzählungen eines Soldaten, daß das Lager zudem oft von Rotkreuzdelegationen besucht worden sei und es sich um ein „Vorzeigelager" gehandelt habe. Diese Besuchstätigkeit während der letzten Kriegsmonate ist anderweitig nicht belegbar gewesen.
20) Nach: MÖNNICH, Horst: Vor der Schallmauer. BMW. Eine Jahrhundertgeschichte. Bd. 1, 1916 - 1945. Düsseldorf, Wien 1983, S. 256.
21) Beschäftigte in Allach, Stand Oktober
1943 / Oktober 1944: Ostarbeiter und russische Kriegsgefangene: 865 / 1340. SS-Strafgefangene: 490 / 700. KZ-Häftlinge: 1480 / 5500. In Allach arbeiteten Mitte
1944 nur mehr zehn Prozent Deutsche (vgl. BMW Dokumentationszentrum: Tätigkeitsbericht des BMW-Werkes Allach, Mai 1945, S. 17). Der Häftlingseinsatz lohnte sich für beide Seiten. Die Industrie hatte billige Arbeitskräfte, die SS, die den Verleihlohn kassierte, rechnete bei einer durchschnittlich dreivierteljährlichen Lebensdauer, einschließlich der Verwertung von Zahngold, Kleidern, Wertsachen (abzüglich Verbrennungskosten von 2.- RM, mit einem Gesamtgewinn von 1630.- RM pro Häftling. Vgl. KOGON, SS-Staat, S. 361.
22) BMW: Tätigkeitsbericht, o. S.
23) Ebenda, S. 16.
24) Ebenda, o. S.
25) Ebenda, o. S.
26) Im Gegensatz zu diesem Defizit trägt eine Straße in Stephanskirchen den Namen des nationalsozialistischen Bürgermeisters Josef Schmidt. Viele Gemeinden haben hier schon Zeichen gesetzt: Der Katalog GEDENKSTÄTTEN FÜR DIE OPFER DES NATIONALSOZIALISMUS, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe, Bd. 245, Bonn 1987 listet auf rund 60 Seiten bayerische Gedenkstätten auf, die die Erinnerung wachhalten: „Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren." (Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 8. Mai 1985, ebenda S. 7).