Der Hofphotograph Franz Xaver Simson

Biographische Daten

Max Joseph Simson war einer der frühesten Photographen in Dillingen. Ursprünglich aus Henneberg in der Oberpfalz stammend war er als gelernter Schuhmacher bei dem Meister Michael Heidenreich in Dillingen beschäftigt. Über den Schwager seiner Braut Anna Kain, den Photographen Johann Michael Gallenmüller, wurde Joseph Simson in die Kunst des Photographierens eingeweiht. Nach einer Lehrzeit zog Joseph Simson aus Dillingen fort und machte sich in Neumarkt in der Oberpfalz mit einem eigenen Photoatelier selbständig. Dieses schien allerdings nicht recht gut zu laufen, weswegen er nach Dillingen zurückkam und hier 1866 ein Photogeschäft gründete 1).
Dieses Photographische Atelier Simson in Dillingen bestand ununterbrochen bis zum Jahr 1976.

Joseph Simson hatte 1864 Anna Kain geheiratet, mit der er sechs Kinder hatte. Die drei Söhne Alois (geboren 1865), Franz Xaver (geboren 1867) und Emil (geboren 1871) erlernten alle das Photographenhandwerk, vermutlich im elterlichen Betrieb. Diesen übergab Joseph Simson am 31. Dezember 1899 seinen beiden Söhnen Alois und Emil, die das Atelier unter dem Namen "Gebrüder Simson" fortführten. Der mittlere Sohn Franz Xaver hatte sich zu dieser Zeit bereits selbständig gemacht.

Über die drei Töchter Thekla, Anna und Agnes ist wenig bekannt.

Franz Xaver Simson wurde am 14. November 1867 in Dillingen geboren. Zunächst besuchte er die Volksschule, dann drei Jahre lang die städtische Realschule in Dillingen und von September 1881 bis Juli 1882 die Sonn- und  Feiertagsabteilung der gewerblichen Fortbildungsschule in Dillingen, die er mit sehr gutern Erfolg abschloß. Anschließend machte er seine Lehre im elterlichen Geschäft. Von 1885 bis 1889 war er als Gehilfe im Hofphotographenatelier Andersen & Klemm in Stuttgart tätig, was als abschließende Lehrzeit anzusehen ist. Im renommierten Stuttgarter Geschäft konnte er sich neue Techniken und einen gewissen "Großstadtschliff" aneignen, was ihm bei der Mitarbeit im elterlichen Geschäft ab 1889 nur zugute kommen konnte.

Der Grund, der Franz Xaver Simson bewog, aus dem Familiengeschäft auszusteigen, war vermutlich die Geschäftsgröße, die soviele Photographen der Familie (seinen Vater und die zwei Brüder) nicht unterhalten konnte. Mitausschlaggebend für der Wegzug aus Dillingen mag auch der Gedanke an Selbständigkeit gewesen sein, die irn elterlichen Atelier nicht gegeben war.

Franz Xaver Simson war nur drei Jahre im Familiengeschäft tätig; 1892 gründete er sein eigenes Atelier in Bamberg, wo er seit 11. November in der Oberen Königstraße 20 gemeldet war.

Kurz vorher, am 08. November hatte er die Kommissionärstochter 2) Barbara (Babette) Dora Büttner aus Nürnberg geheiratet. In Bamberg lebte Franz Xaver Simson drei Jahre, über seine dortige Geschäftszeit liegen aber leider keine Informationen vor.

Es ist lediglich bekannt, daß seine Wohnadresse - die Obere Königstraße 20 - bereits vor ihm mehrere Photographen beherbergt hatte.

Dabei ist festzustellen, daß diese Photographen ständig wechselten und höchstens für zwei bis vier Jahre ein Atelier führten 3).

Spekulativ bleibt es, diese ständigen Wechsel auf eine schlechte Geschäftslage zurückzuführen. Befristete Mietverträge oder andere rechtliche Gegebenheiten können ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Irn Fall Simson scheint es jedoch wahrscheinlich, daß in Bamberg die Konkurrenz für einen neuen Photographen einfach zu groß war. Anfang der 1890er Jahre existierten dort nämlich bereits zwölf Photographische Ateliers, darunter drei sehr renommierte Geschäfte 4). Der geschäftliche Absatz war in einer kleineren (Provinz)Stadt sicher besser, in der die Konkurrenz von Berufskollegen noch nicht so groß war.

Im November 1895 verließ Simson Bamberg und siedelte nach Rosenheim über.

Seine hiesige Geschäftseröffnung datiert vom 17. November 1895 5), wobei Simson bereits im Oktober in einer Voranzeige auf seine Tätigkeit hingewiesen hatte 6).

Am 29. November 1895 meldete er offiziell sein Gewerbe als Photograph beim Magistrat an.

1903 bekam Simson den Titel "Hofphotograph Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig von Bayern" 7) verliehen. Darnit konnte er sich als der erste (und einzige) Hofphotograph in Rosenheim etablieren. Um den etwas höherwertigen Titel "Königlich Bayerischer Hofphotograph" bewarb er sich 1913.

Am 17. November 1911 erhielt er gegen 70 Mark Gebühren in Rosenheim das Bürgerrecht 8).

Daraus wird ersichtlich, daß sich Simson als geachteter Bürger vorzüglich in Rosenheim etablieren konnte.

Auch sein familiärer Hintergrund und der Werdegang seiner Kinder lassen diesen Rückschluß zu 9).

Franz Xaver Simson hatte mit seiner Frau Babette sechs Kinder:
Der älteste Sohn Hermann, geboren am 14. Dezember 1889 in Fürth, war der einzige, der den Photographenberuf erlernte. Allerdings war er nur zeitweilig im Atelier des Vaters beschäftigt, da er sehr viel im Ausland tätig war. Unter anderem lebte er im lettischen Riga, wo er 1914 als Zivilist in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Nach dem Krieg kehrte er für kurze Zeit nach Rosenheim zurück, wo ihn seine Reiselust allerdings nicht lange hielt. Stationen seines beruflichen Lebens waren Spanien, Österreich (Schwaz) und die Schweiz (Arosa). Ungefähr zehn Jahre lang, bis 1939, war er bei der Firma Kodak in Berlin beschäftigt. Anschließend führte er das elterliche Geschäft in Rosenheim bis zu seinem Tod im Jahre 1943.

Der zweite Sohn Alois, geboren am 09. Juli 1893 in Bamberg, besuchte drei Jahre das Humanistische Gymnasium und anschließend die Präparandenschule. Von Beruf Lehrer (Alois hatte Musik, Pädagogik und Psychologie studiert) erwarb er sich als Offizier in beiden Weltkriegen hohe Verdienste. Als Studienprofessor war er zuletzt in München tätig.

Die beiden Töchter Berta, geboren am 04. September 1894 in Bamberg, und Agnes, geboren am 26. Juni 1896 in Rosenheim, waren beide als Hauptlehrerinnen tätig. Berta unterrichtete zunächst in Bayerisch Gmain, dann in Feldkirchen-Westerham; Agnes war in Kolbermoor beschäftigt. Beide blieben unverheiratet.

Emil, geboren am 17. August 1897 in Rosenheim, erlernte in Rosenheim das Bankfach, etablierte sich anschließend als Geschäftsführer des Nürnberger Herrenbekleidungsgeschäftes Overbeck, bevor er sich in dieser Branche mit einem eigenen Geschäft in Bamberg selbständig machte.

Die jüngste Tochter Dora, geboren am 14. Januar 1900 in Rosenheim, erlernte den Beruf der Kontoristin und war in der Firma Klepper beschäftigt; sie heiratete den Architekten Wilhelm Ziegler.

Jedes der Kinder von Franz Xaver Simson hatte somit einen respektablen Beruf bzw. Familienstand.

Allein in der Tatsache, daß auch die Töchter berufstätig waren, zeigt sich ein damals schon sehr modernes Denken. Auch die Reiselust und die Ortsungebundenheit aller Simson'schen Kinder fallen so ganz aus dem üblichen Rahmen einer Kleinstadt, wie es Rosenheim damals war, heraus. In Rosenheim scheint man sich daran nicht gestört zu haben. Die Simsons zählten zu den feinen Kreisen und hatten einen ausgezeichneten Leumund. Franz Xaver Simson und seine Familie waren gesellschaftlich sehr angesehen.

Neben der geachteten gesellschaftlichen Stellung ging es Simson auch finanziell sehr gut.

Zunächst im Gillitzerblock in der Münchenerstraße wohnend zog Franz Xaver Simson sehr bald in ein eigenes Haus in der Herbststraße 13, das ihm aber auch bald wieder zu klein war, weswegen er das benachbarte größere Haus Nummer 15 kaufte.

Franz Xaver Simson starb in Rosenheim am 18. November 1944.

Anmerkungen

1) Alle Angaben aus: Baumann, Karl: AIt-Dillinger Handwerk. Ein Beitrag zur Geschichte einer verlorenen Welt. Studienvereinigung Dilingana/Karl Baumann: Dillingen 1993
2) Kommissionär - Geschäftsmann
3) StadtA Bamberg, Hausbogen Obere Königstraße 20 C 9, Nr. 59 lt. freundlicher Auskunft von Dr. Zink. Archivdirektor Bamberg
4) Zink, Robert: Bild der Stadt - Stadt im Bild. Frühe Pholographie in Bamberg. Ausslellungskatalog Bamberg 1989.
5) Rosenheimer Anzeiger Nr. 264 vom 17.11.1895; Nr. 266 vom 20.11.;
6) Rosenheimer Anzeiger Nr. 250 vom 31.10.1895
7) Ab 1913 König Ludwig III. von Bayern
8) StadtA Ro. Akten Fasz. 1030/13
9) Alle folgenden Angaben nach den Erinnerungen von Frau Liselotte Schürr, einer Enkeltochter von Franz Xaver Simson