März - Am Max-Josefs-Platz um 1870

Der im frühen 19. Jahrhundert nach dem ersten bayerischen König Max I. Joseph benannte Platz bildet seit jeher den Mittelpunkt Rosenheims. In der für Altbayern typischen Form eines langgestreckten Straßenmarktes entstand der Platz bereits im 13. und 14. Jahrhundert. Das Kalenderbild dürfte etwa auf die Zeit um 1870 zu datieren sein. Die Ansicht ist somit eine der ältesten Fotografien des Max-Josefs-Platzes und zeigt ihn noch vor den großen baulichen Veränderungen der Bürgerhäuser, die ab Ende der 1870er Jahre einsetzten.

Im Vordergrund fällt der Blick auf den großen Brunnen mit der Figur des hl. Johann Nepomuk, einem Werk des Salzburger Bildhauers Franz de Paula Hitzl von 1773. Dahinter ist ein Stück des alten Rathauses zu sehen. Bis 1878 hatte die Stadtverwaltung ihren Sitz in dem Bau, der sich mit seinem barocken Schweifgiebel und dem darauf sitzenden Glockentürmchen von den übrigen Häusern des Platzes mit ihren waagrechten Vorschussmauern abhob. Nach dem Verkauf des Hauses an den Schneidermeister Johann Klepper 1878 wurde es tiefgreifend umgebaut und verändert.

Das stattliche Fortner-Haus nimmt die Bildmitte der Fotografie ein. Als einziges Rosenheimer Bürgerhaus besitzt das Gebäude eine Stuckfassade im Stil des Rokoko, die um 1740 entstanden sein dürfte. Das Haus hat eine bewegte Besitzergeschichte, wobei insbesondere Martin Papin, der aus Oberitalien stammte und das Anwesen ab dem späten 16. Jahrhundert besaß, zu den interessantesten Persönlichkeiten der Rosenheimer Stadtgeschichte zählt. Der heutige Name der Gaststätte „Zum Santa“ im Erdgeschoss des Hauses geht auf die Familie Santa zurück, die das Anwesen über zwei Generationen an der Wende zum 19. Jahrhundert besaß. Als die Fotografie entstand, war das Haus im Besitz des Weinwirts Simon Fortner.

Neben dem Fortner-Haus liegt – auf dem Kalenderbild rechts – der ehemalige Plestbräu, eine traditionsreiche Brauereigaststätte. Der letzte Brauer auf dem Anwesen war Sebastian Zollner, der – in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten – im Jahr 1862 den größten Teil seines Besitzes verkaufen musste. Das Vorderhaus am Max-Josefs-Platz wurde in zwei Parzellen geteilt. Den auf dem Kalenderbild zu sehenden Teil erwarb der Zinngießer Josef Aicher und 1874 der Konditor Mathias Wendl. Dieser begründete hier das „Café Wendl“, das über ein Jahrhundert in dem Haus bestand.