November - Das Nagelschmidhaus an der Innbrücke vor seinem Abbruch 1910

Als am 9. und 10. September 1910 das alte Nagelschmidhaus an der Innbrücke abgebrochen wurde, verschwand damit eines der markantesten Bauwerke aus dem Siedlungsbild an der Peripherie der Stadt Rosenheim. Bereits auf einer Ansicht von Rosenheim und seiner Umgebung aus dem Jahr 1623 ist an der Stelle des späteren Nagelschmidhauses ein Anwesen unterhalb des Rosenheimer Schlosses am östlichen Brückenkopf der Innbrücke dargestellt. Damals entstand am rechten Innufer die Siedlung Hofleiten als Schiffer- und Flößervorstadt von Rosenheim. Im Jahr 1785 errichtete man das Haus weitgehend neu als stattlichen Barockbau mit behäbigem, tief heruntergezogenem Schopfwalmdach. 1810 ist der „kgl. Straßen- und Wasserbau-Inspector“ Anton Schuster als Besitzer des Hauses erwähnt. In den 1830er Jahren gehörte das Anwesen dem aus der bayerischen Rheinpfalz stammenden Peter Schmid, sinnigerweise von Beruf Schmied. Durch ihn bürgerte sich der Hausname „Beim Nagelschmid“ ein. Peter Schmid und seiner Ehefrau Barbara, geborene Weißacher aus Siegsdorf, wurden insgesamt 15 Kinder geboren, von denen acht bereits im Kindesalter verstarben. Um 1842 zeichnete der Münchner Historienmaler Michael Echter Porträts der Familie Schmid. Echter war damals in den Raum Rosenheim gekommen, weil man ihn mit der Schaffung des Altarbilds für die neu errichtete Georgskapelle in Schloßberg beauftragt hatte.

1864 übernahm schließlich Sohn Peter Schmid junior das Nagelschmidanwesen und 1893 erwarb der Bäckermeister Heinrich Ott das Haus. Gut ein Jahrzehnt später ist dann der Rosenheimer Bäcker und Mehlhändler Josef Aschl, der seit 1893 im Haus Kaiserstraße 7 eine Bäckerei und Mehlhandlung betrieb, als Besitzer genannt. In dem Haus in Hofleiten führte Aschl einen Filialbetrieb, bis das Anwesen in Staatsbesitz überging, weil es zunehmend als Verkehrshindernis angesehen wurde und deshalb abgebrochen werden sollte. Schon beim Abbruch des Nagelschmidhauses 1910 war der Neubau der Straßenbrücke über den Inn vorgesehen. Die 1865/66 errichtete eiserne Bogenbrücke sollte mangels ausreichender Tragfähigkeit durch eine neue Konstruktion ersetzt werden. Die Abtragung der alten Brücke erfolgte 1913; die neue Brücke konnte im Jahr darauf dem Verkehr übergeben werden.