Oktober - Absolvia der kgl. Realschule im Jahr 1900

1877 wurden in Bayern Realschulen eingeführt. In dieser neuen Schulform für Knaben gingen die seit 1833 bestehenden Gewerbeschulen sowie technische Fachschulen auf. Nach der Realschulverordnung von 1877 verstand man die neue Schulform als „eine öffentliche Unterrichtsanstalt, welche den Zweck hat, eine höhere bürgerliche Bildung auf sprachlich-historischer und mathematisch-naturwissenschaftlicher Grundlage zu gewähren und zu religiös-sittlicher Tüchtigkeit zu erziehen“.

In Rosenheim bestand seit 1866 eine gewerbliche Fortbildungsschule, die 1881 zu einer vierklassigen Realschule erweitert wurde. Angegliedert an die neue Realschule war nach wie vor eine Fortbildungsschule, die vor allem von noch schulpflichtigen Lehrlingen und Gehilfen besucht wurde. Ende 1891 konnte die Realschule, die bisher in einigen Räumen im Knabenschulhaus an der Königstraße untergebracht war, einen großen Neubau an der Ecke Rathausstraße/Königstraße beziehen. In den Schuljahren 1893/94 und 1894/95 wurde der Schulbetrieb von vier auf sechs Jahrgangsstufen ausgebaut.

Das Kalenderbild zeigt die Absolvia, also die Abschlussklasse der Schule im Jahr 1900. Die Klasse zählte 21 Schüler, die zwischen 1880 und 1884 geboren wurden. Ordinarius, also Klassleiter war der kgl. Reallehrer Adolf Lorenz; rechts auf dem Bild. Links steht der Rektor der Schule, Anton Jakob, der die Realschule seit 1889 leitete und 1919 zum Ehrenbürger der Stadt Rosenheim ernannt wurde. Als die Fotografie entstand, unterrichteten 16 Lehrer an der Realschule mit ihren damals 203 Schülern. Weitere 381 Schüler belegten die Kurse der angeschlossenen gewerblichen Fortbildungsschule. Einige Schüler bewohnten das zur Realschule gehörige Pensionat an der Innstraße.

Ab 1907 entstanden aus den Realschulen die naturwissenschaftlich orientierten, neunklassigen Oberrealschulen. Die Rosenheimer Realschule wurde 1922 zu einer Oberrealschule erweitert, die inzwischen auch von Mädchen besucht wurde. Als man 1965 alle höheren Schulen in Bayern zu Gymnasien umwandelte, erhielt die Rosenheimer Oberrealschule den Namen Finsterwalder-Gymnasium – in Erinnerung an den in Rosenheim geborenen Naturwissenschaftler Sebastian Finsterwalder.