Juni - Die Villa Kolb an der Promenadestraße um 1900

Als bis 1876 die Gleisanlagen der ersten Trasse der Maximiliansbahn in das westliche Stadtgebiet verlegt wurden, stand mit den frei werdenden Flächen Platz für neue Straßen und Gebäude zur Verfügung. Eines der ersten Häuser, die im Bereich der ehemaligen Bahnflächen entstanden, war das Wohnhaus des Tierarztes Anton Kolb mit der Adresse Promenadestraße 16 an der heutigen Ecke Prinzregentenstraße/Frühlingstraße. Ein noch erhaltener Bauplan von 1880 belegt, dass damals an das schon bestehende villenartige und spätklassizistisch gestaltete Gebäude zwei Balkone angebaut wurden.
Anton Kolb, 1826 geboren, zog 1872 von Aibling nach Rosenheim, um hier die neu geschaffene Stelle als Bezirkstierarzt des Amtsbezirks Rosenheim anzutreten. Kolb war, so beschrieb ihn der „Rosenheimer Anzeiger“ „ein Mann von eisernem Fleiße und peinlichem Pflichtgefühl (…), stets darauf bedacht, den vielen Landwirthen des Bezirkes in ihren Interessen und Wünschen so viel als in seinen Kräften stand, förderlich zu sein.“ Um den Bauern und ihrem Vieh in der Umgebung Rosenheims zu Hilfe zu kommen „scheute er weder Sturm noch Wetter“. Kolb, der mit seiner Frau Therese und den gemeinsamen Kindern in der Villa an der Promenadestraße wohnte, engagierte sich neben seiner beruflichen Tätigkeit ehrenamtlich u. a. im „Landwirtschaftlichen Verein Rosenheim“ und im „Katholischen Arbeiterverein“. Zudem sammelte er mit großem Einsatz Spenden für den Bau der 1890 geweihten Kirche auf dem Wendelstein. Nach Anton Kolbs Tod 1899 blieb seine Villa einige Jahre im Besitz seiner Erben. Durch die Umbenennung der Promenadestraße änderte sich 1911 die Adresse des Hauses in Prinzregentenstraße 16. Ab etwa 1920 gehörte das Anwesen dem Dachdeckermeister Hermann Kunstmann, der hier mit seiner Familie lebte und auf dem Grundstück seinen Betrieb eingerichtet hatte. Auch nach Kunstmanns Tod 1937 wurde der Dachdeckerbetrieb weitergeführt und bestand laut Adressbüchern noch in den 1960er Jahren in dem Anwesen.
In den 1970er Jahren entstanden Pläne, die noch weitgehend original erhaltene Villa zusammen mit dem 1902 erbauten Nachbargebäude Nr. 18 abzureißen und die Grundstücke neu zu bebauen. Nach dem Abbruch der beiden Häuser im Jahr 1980 erfolgte bis 1981 der Bau zweier Wohnund Geschäftshäuser durch den damaligen Grundstückeigentümer, die Nürnberger Universa-Versicherung.