Oktober - In der Sauerkrautfabrik des Anton Huber um 1928

Jahrhundertelang gehörte Sauerkraut zu den bevorzugten Speisen. Schon früh hatte man erkannt, dass Weißkraut durch Milchsäuregärung konserviert werden konnte und dadurch ein vitaminreiches und sehr haltbares Nahrungsmittel zur Verfügung stand. Während die Sauerkrautherstellung einst in vielen Haushalten üblich war, begann der Kraut- und Viktualienhändler Anton Huber in Rosenheim gegen Ende des Ersten Weltkriegs eine „Sauerkrautfabrik“ aufzubauen. Im April 1918 hatte Huber für sein Vorhaben den Mail-Keller am Roßacker erworben. In dem Gasthaus war damals die „Volksküche“ untergebracht, die als öffentliche Essensausgabe zur Linderung der Versorgungsengpässe während des Krieges beitrug. Anton Huber nutzte die Kellergewölbe des Mail-Kellers für die Sauerkrautfabrikation und wollte als Nebenverdienst die darüber liegende Gaststätte weiterbetreiben. Der Stadtmagistrat wies Hubers Antrag auf eine neue Gaststättenkonzession jedoch wegen der großen Anzahl von Gastbetrieben in der Umgebung ab. Auch nach dem Eingreifen des „Verbandes Deutscher Sauerkrautfabrikanten“ und einer Unterschriftensammlung verweigerte der Magistrat die Konzession. Erst im März 1919, wenige Monate nach Ende des Ersten Weltkriegs, erteilte der damals für kurze Zeit amtierende revolutionäre „Arbeiterrat“ die Genehmigung zum weiteren Betrieb des Mail-Kellers.
Das Kalenderbild aus der Zeit um 1928 zeigt den mittleren der drei Gewölbekeller unter dem Gasthaus. Während der östliche Kellerraum bereits im 17. Jahrhundert durch den damaligen Mail-Bräu als Bierkeller errichtet wurde, stammen die beiden weiteren tonnengewölbten Kellerräume zusammen mit dem Gasthaus selbst aus dem Jahr 1833. Auf der Fotografie sind die großen hölzernen Bottiche für die Sauerkrautherstellung zu sehen. Anton Huber betrieb damals auch eine „landwirtschaftliche Produkten-Großhandlung“ und vertrieb Kartoffeln, Rüben, Futtergetreide, Heu, Stroh, Obst und Gemüse. Nach Hubers plötzlichem Tod 1934 erwarb Maria Krichbaumer, Besitzerin der Flötzinger-Brauerei, den Mail-Keller. Die Sauerkrautfabrikation in den Gewölben unter dem Gasthaus wurde von Anton Hubers Sohn Ludwig Mittermeier noch bis in die 1960er Jahre weitergeführt.