Oktober - Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr zum 50-jährigen Jubiläum 1910 am Max-Josefs-Platz

Von alters her war der Feuerschutz eine Pflichtaufgabe aller Bürger, wie dies bereits in der Marktrechtsverleihung an Rosenheim von 1328 festgelegt war. Die 1810 gegründete Saline verfügte über eine eigene Feuerwehr. 1860 wurde in Rosenheim eine Freiwillige Feuerwehr
gegründet. Die erste vorbereitende Versammlung, bei der ein Ausschuss gebildet wurde, fand am 19. August 1860 im Rathaus statt; die endgültige Gründung erfolgte am 20. Oktober. Um die für die Kerndienste der Steiger, Schlauchführer und Retter erforderlichen Eigenschaften heranzubilden, schritt man gleichzeitig zur Bildung einer Turngemeinde. Somit können heuer sowohl der Turn- und Sportverein 1860 als auch die Freiwillige Feuerwehr ihr 150-jähriges Jubiläum begehen. Die beiden Organisationen verschmolzen alsbald zu einer „Freiwilligen Turner-Feuerwehr Rosenheim“ (1862); gemeinsames Lokal des 1863 bis 1873 von Baumeister Simon Lutz geleiteten Vereins war die Turnhalle vor dem Wiesentor. Im Jahr 1867 zählte die Feuerwehr 67 Mitglieder und drei Züge: Den Steigerzug, den Zug Schiebeleitermannschaft und den Spritzenzug. Daneben bestand nach wie vor die 280 Mann starke Pflichtfeuerwehr.
In der Generalversammlung 1873 wurde beschlossen, Turner und Feuerwehr wieder als eigenständige Vereine weiterzuführen. Zugleich wurde die Salinenfeuerwehr der Freiwilligen Feuerwehr eingegliedert. Daneben existierten zusätzlich Fabrikfeuerwehren.
Bei ihrem 50-jährigen Jubiläum 1910 zählte die Freiwillige Feuerwehr rund 270 Mann. Um die Rosenheimer Feuerwehr bei diesem Anlass zu ehren, hielt damals der Kreisfeuerwehrverband Oberbayern seine 13. Kreisfeuerwehrversammlung in Rosenheim ab. Im Hotel „Deutscher Kaiser“ fand am 9. Juli der Fest- und Ehrungsabend statt. Am darauf
folgenden Tag wurde die Hauptübung sämtlicher anwesender Wehren am Gebäude der Stockhammerbrauerei am Max-Josefs-Platz durchgeführt. Dabei wurde der Fall eines Brandes in der Mälzerei der Stockhammerbrauerei simuliert, bei dem die Nachbarhäuser, das Verlagshaus Niedermayr, die Eisenhandlung N. T. Stumbeck und die Heilig-Geist-Kirche in Gefahr geraten würden. Auf besonderes Interesse stießen hierbei zwei neue Gerätschaften: Eine Drehleiter und der Krankentransportwagen der Freiwilligen Sanitätskolonne. Nach einer weiteren Hauptübung der Wasserwehr am Inn rundete ein Festzug zum festlich beleuchteten Pernlohnerkeller den Veranstaltungsreigen ab.