November - Das Kapuzinerkloster

Der große Gönner des Kapuziner-Ordens, Kurfürst Maximilian I., hatte 1600 das erste Kapuzinerkloster in München gegründet. 1604 entstanden die Pläne, auch in Rosenheim ein Kapuzinerkloster zu errichten. Betreiber vor Ort für dieses Unternehmen war der Weinhändler Martin Papin, der die Grundsteinlegung an der Stelle der späteren Saline (heute Stadthalle) bereits 1606 erreichen konnte. Fast 200 Jahre konnten die Kapuziner ungestört in Rosenheim wirken. Am 28. Oktober 1803 wurden die Kapuziner in Folge der Säkularisation aus Rosenheim ausgewiesen, das Inventar des Klosters versteigert und das Kloster und die Kirche abgebrochen. Auf dem nunmehr staatlichen Grund des ehemaligen Klosters wurde ab 1808 die Rosenheimer Saline erbaut.
Erst unter König Ludwig I. konnten Klöster und Kirchen in Bayern wiederbegründet werden. So beschloss man 1853 die Wiedererrichtung des Kapuzinerklosters Rosenheim. Bürgermeister Johann Georg Rieder erwarb für den Markt Rosenheim den Bauplatz bei der Sebastianskapelle, die 1635 auf Grund eines Pestgelübdes der Bürgerschaft gegründet worden war, und schenkte ihn dem Orden. Der Magistrat überließ den Patres außerdem die Sebastianskapelle zur Benützung. 1856 konnte die umgebaute Kapelle durch Erzbischof Gregor Scherr von München-Freising eingeweiht werden. Für die Bevölkerung wurde das neue Kapuzinerkloster bald ein religiöser Mittelpunkt. Durch den großen Zulauf erwies sich die Sebastianskapelle, nunmehr die Klosterkapelle, im Laufe der Jahre jedoch als viel zu klein. Schon 1880 wurden unter dem Guardianat von Pater Ludwig Pläne zur Erweiterung der Kirche ausgearbeitet, die allerdings erst zehn Jahre später möglich war.
Nach Plänen des Architekten Bruno Specht baute der Rosenheimer Baumeister Max Lutz ein neues, großes Langhaus als Hauptschiff der Kirche; die bisherige Sebastianskapelle wurde zum Presbyterium. Am 4. Oktober 1889 konnte die neu erbaute Kirche durch Dekan und Stadtpfarrer Gruber benediziert werden. Die Konsekration erhielt sie am 28. Oktober 1891 durch Erzbischof Antonius von München-Freising. Mit der Vergrößerung der Kirche wurde auch die Lourdesgrotte in eine eigene Kapelle verlegt und der Klosterfriedhof verlagert. Die Orgel, die erst 1881 durch die Rosenheimer Firma Müller errichtet worden war, wurde durch eine neue von der gleichen Firma ersetzt.
Seit ihrer Rückkehr nach Rosenheim entfalteten die Kapuziner wieder eine rege Seelsorgstätigkeit. Nach franziskanischer Tradition wurde durch das Kloster auch die Armenfürsorge gepflegt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden an der Klosterpforte täglich bis zu 200 Arme gespeist.
Nach 1945 begann ein langsamer, aber steter Rückgang der Anzahl neuer Bewerber. Nachdem sich das Klostergebäude für die noch in Rosenheim verbliebenen Patres als zu groß erwies, entschloss man sich 1986, das Gelände aufzuteilen und den größeren Teil den bislang in Südafrika weilenden Klarissen-Kapuzinerinnen zur Verfügung zu stellen. Das Kalenderbild zeigt das Kapuzinerkloster im Jahr 1928.