November - Die Siedlung an der Weinlände

Unter der Weinlände verstand man ursprünglich die lange Uferstrecke am linken Innufer, die früher als Lände für die Weinhändler gedient hatte. Der Name geht somit auf die Zeit des regen Frachtverkehrs auf dem Inn zurück, bei dem besonders der Wein eine große Rolle gespielt hatte. Außer der Ladeplätze für die Weinhändler diente das Gelände aber auch als Weideland. 1802 wurde die Weinlände bereits soweit vermessen, dass sich 40 1/2 Tagwerk für die Kultivierung ergaben. Sie wurden in Losen auf zehn oder zwölf Jahre zugunsten der Marktkasse von Rosenheim verpachtet. 1882 wurde die durch die Flur ziehende Straße in Weinländstraße benannt. Im Volksmund wurde aber das ganze Gebiet zwischen der heutigen Rechenauer- und der Pettenkoferstraße weiterhin einfach Weinlände genannt.
In der Krisen- und Inflationszeit der 1920er Jahre herrschte in Rosenheim große Wohnungsnot. Die Zahl der überbelegten Wohnungen und der Familien ohne eigene Unterkunft stieg ständig an. Die Reichswohnungszählung 1927 registrierte in der Stadt einen Fehlbedarf von 479 Wohnungen, auf den die Stadtverwaltung mit einem Wohnungsbauprogramm reagierte. So beschloss der Stadtrat im Februar 1927 den Bau von zunächst 20 Kleinwohnungen an der Weinlände. Mit der Durchführung der Bauarbeiten wurde im April 1927 die Rosenheimer Baufirma Großmann beauftragt, die die Auflage erhielt, für die Ausbauarbeiten nur ortsansässige Firmen zu beschäftigen. Die Häuser wurden in Vollziegelmauerwerk ausgeführt, die Grundrisspläne erstellte der damalige Bauamtsinspektor und spätere Stadtbaurat Otto Bucher. Die Wohnungen wurden zunächst vor allem an städtische Bedienstete vergeben und waren mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 50 Reichsmark sehr günstig. Im April 1928 erfolgte der Beschluss zum Bau von weiteren 24 Wohnungen anschließend an die bereits bestehende Wohnkolonie an der Weinlände. Vier Jahre später, mit Stadtratsbeschluss vom 12. April 1932, wurden die vier von der Weinländestraße nach Süden führenden Querstraßen, die das neue Siedlungsgebiet erschlossen, in Rosen-, Nelken-, Astern- und Tulpenweg benannt.
Das Kalenderbild zeigt die am Bau beteiligten Arbeiter vor einem der Siedlungshäuser an der Weinlände im Herbst 1927.