Juni- Turnfest am Luitpoldtag

Anläßlich seines 90. Geburtstages 1911 bestimmte der bayerische Prinzregent Luitpold, daß zur Leibesertüchtigung der Jugend die Mittelschulen alljährlich an einem Tag im Sommerschulhalbjahr (jeweils von Ostern bis Juli) ein Turn- und Spielfest abhalten sollten. Für jede Stadt, in der sich eine oder mehrere Mittelschulen dazu bereit fänden, stiftete der Landesherr eine Siegermedaille. Bereits im April 1911 hatte sich in Rosenheim aus Vertretern der Schulen, des Männerturnvereins 1860 und des Stadtmagistrats ein Festkomitee gebildet, das mit der Organisation und der Abwicklung betraut wurde. Als Termin wurde grundsätzlich einer der ersten Junitage festgelegt. Das erste Schulturnfest fand am 1. Juni auf der Gabrielwiese statt. Vormittags gab es einen Wettstreit im sog. Barlauf, beteiligt waren die Präparandenschule, das königliche Gymnasium und die Realschule, wobei das Gymnasium als Sieger hervorging. Am Nachmittag fanden nach einer feierlichen Parade durch die Stadt die öffentlichen Turnspiele der Mittelschulen mit Schleuderball, Speerwerfen, Hochsprung und Seilziehen sowie Bar-und Stafettenlauf statt.
In seiner Festrede lobte der Rektor des Gymnasiums, Dr. Leonhard Lutz, die Schüler für ihre Leistungen und wies darauf hin, daß nicht nur die geistige, sondern auch die körperliche Bildung der Jugend ein wichtiges Anliegen des Staates sei. Die vom Prinzregenten gestiftete Siegermedaille durfte das Gymnasium für ein Jahr behalten. Ein dreifaches Hoch auf den Landesherrn und das Absingen der Bayern-Hymne beendete das erste Schulturnfest in Rosenheim. Nach seinem Stifter hieß der Wettkampftag „Luitpoldtag", der bis zum 1. Weltkrieg in Rosenheim regelmäßig abgehalten wurde.