Oktober - Der Gasthof "Zur Stadt Rosenheim"

1875 reichte Anton Thaller beim Rosenheimer Stadtmagistrat ein Gesuch für einen Neubau an der Bahnhofstraße, Ecke Münchener Straße, ein. Sicher hatte Thaller die Verlegung des Bahnhofs vom alten Standort des heutigen Rathauses nach Süden im Auge. Ein Wohn- und Geschäftshaus mit Rückgebäude sah der Bauplan vor, der im Juli 1876 auch von den Grundstücknachbarn Georg Stumbeck und Michael Obermeier gebilligt wurde. Der Stadtmagistrat machte Thaller zur Auflage, eine Ablösung von 20 Mark und 57 Pfennig für die Herstellung der neuen Bahnhofstraße und des Wasserablaufkanals an die Stadtkasse zu zahlen. 1878, zwei Jahre nach Eröffnung des neuen Bahnhofs, war das Wohngebäude bereits im Erdgeschoß zu einem Gasthaus umgeplant worden. „Zur Stadt Rosenheim" nannte Thaller seine Wirtschaft, für die er 1887 das Gewerbe „eines Verkaufs von selbsterzeugtem Braunbier" und 1888 die „Abgabe von Speisen und Getränken aller Art" beantragte. 1889 ließ Thaller im Kellergeschoß seines Gebäudes einen Eis- und Lagerkeller für Bierfässer errichten.
Thaller, ursprünglich ein Bauerssohn aus Häring bei Kufstein, hatte zunächst einen Steinbruch bei Rohrdorf betrieben, bevor er sich gewerblich in Rosenheim orientierte. Sein Gasthof „Zur Stadt Rosenheim" scheint allerdings nie von besonderer Bedeutung gewesen zu sein, da er in den Adreßbüchern ab 1890 bei den Hotels und Gastwirtschaften nicht aufgeführt wird. Möglicherweise waren die Fremdenzimmer nur als Ergänzung zu seinem Gasthof „Thallerbräu" in der Bahnhofstraße 8 gedacht. Das Kalenderbild zeigt das Thallergebäude an der Münchener Straße mit dem Gasthaus „Zur Stadt Rosenheim" um das Jahr 1905. Im Erdgeschoß befindet sich die Kolonialwarenhandlung von Josef Fichtel.
Vom Bahnhof kommt gerade eine der Pferdetrambahnen, die in Rosenheim seit 1900 im Ringverkehr vom Bahnhof über den Max-Josefs-Platz zur Innbrücke und zurück fuhren.