Der Altenauer Hof in der Färberstraße

um 1900
Der Altenauer Hof in der Färberstraße um 1900

Das Gasthaus „Altenauer Hof“ in der Färberstraße 8 erinnerte an das Kloster Altenhohenau, das 1235 als zweitältestes Dominikanerinnenkloster in Bayern von Graf Konrad von Wasserburg gegründet wurde, der auch die Rosenheimer Burg erbaut haben dürfte. Das Kloster, das im 15. Jahrhundert eine glänzende Blüte erlebte, wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgehoben und kam in private Hände. 1853 erwarb der Baron Crailsheim auf Amerang die Anlage und betrieb dort eine Brauerei, die sich unter seiner Führung zu einer der größten Brauereien der Umgebung entwickelte. Ihm gehörte auch die Gaststätte in der Rosenheimer Färberstraße, die in Abwandlung vom Namen Altenhohenau „Altenauer Hof“ genannt wurde und von Pächtern betrieben wurde. Diese Gaststätte befand sich an der Knickstelle des südlichen Arms der Färberstraße, der früheren Metzgergasse.
1881 gelangten Kloster und Gaststätte an die Gebrüder Hubert und Joseph Soyer von Griesstätt. Hubert Soyer war Mitglied des Historischen Vereins für Oberbayern und Mitbegründer des Stadtmuseums Wasserburg. Während das Kloster 1922 vom Dominikanerorden zurückerworben werden konnte, blieben die dortige Brauerei und der Altenauer Hof in Rosenheim noch darüber hinaus bis mindestens Ende der 1930er Jahre
in Soyerschem Familienbesitz. Der letzte Pächter Franz Berghammer betrieb noch 1952 die Schankwirtschaft; 1954 war diese bereits aufgelöst.
Unter den Gebrüdern Soyer fanden in den 1890er Jahren bauliche Änderungen im Gasthaus statt. Unter anderem wurde 1894 ein neuer Dachstuhl errichtet und das zweite Stockwerk ausgebaut. Die ältesten Darstellungen der Häuser im Färberviertel seit ca. 1800 zeigen, dass in diesem vorstädtischen Handwerkerviertel ursprünglich die ländliche Bauweise mit flachen Satteldächern vorherrschend war. Wann die Angleichung des Gebäudes an den traditionellen Typ des Innstadthauses erfolgte, ist unbekannt. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, diente das oberste Geschoss in dem Bereich, wo die Fenster nur angedeutet sind, zugleich als Vorschussmauer. Da der Altenauer Hof, wie auch seine Nachbargebäude, mit seiner Walmdeckung kein Grabendach im eigentlichen Sinn besaß, liefen die Standrinnen nicht in der Mitte, sondern seitlich an den Gebäuden herab. Der hier gezeigte äußere Zustand des Hauses hat sich seit den 1870er Jahren bis um 1930 kaum verändert.
Sehr beliebt war die "Bräu-Kirta" in der Gaststätte, die 1925 nach langjährigem Aussetzen wieder abgehalten wurde. Wie die Tageszeitung Wendelstein berichtete, trug an diesem Kirchweihtag "das rühmlichst bekannte Trio Kämpfel Michl, Lex Gustl und Schinagl (...) mit heiteren Vorträgen wesentlich bei, die frohe Stimmung noch zu erhöhen. Die vorzügliche Küche der Gastgeberin Frau Bürger fand allseits vollstes Lob und wurde bis auf den letzten Wurstzipfel ausverkauft. Nicht minder trefflich war das Helle und Dunkle aus der Altenauer Brauerei, deren Besitzerin selbst auch als Gast erschienen war."

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2010/11

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