Das Gasthaus Plest-Keller

um 1910
Das Gasthaus Plest-Keller um 1910

Ab dem Jahr 1812 war es den Bierbrauern in Bayern erlaubt, bei ihren Lagerkellern Bier und Brot an Gäste zu verkaufen. Auch wenn sich unerlaubterweise schon zuvor manches Kellerhaus zum Schankbetrieb entwickelt hatte, galt dieser Erlass als eigentlicher Beginn der bis Anfang des 20. Jahrhunderts währenden Blüte der Bierkellergastronomie. Nachdem es seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts üblich war, am Sonntag mit der Familie einen Spaziergang zu Fuß in die nähere Umgebung zu machen, gehörten die Bierkeller zu den bevorzugten Ausflugszielen.
In und um Rosenheim gab es einst 15 Bierkellerwirtschaften, die zwischen Juni und September zu den Mittelpunkten des gesellschaftlichen Lebens zählten. Eine der ältesten Kelleranlagen war jene des Plest-Bräus. Der Plest´sche Brauereigasthof befand sich einst in dem großen Doppelhaus Max-Josefs-Platz 16/18. Der dazugehörige Bierkeller lag am östlichen Innufer nahe der Mündung der Sims in den Inn. Schon 1679 ist dieser Bierkeller auf einem im Rosenheimer Stadtarchiv aufbewahrten Plan als „Plessenkeller“ überliefert. Zwar lag der Plest-Keller ein gutes Wegstück von Rosenheim entfernt, sein Besuch wurde aber durch einen schönen Ausblick ins Inntal belohnt. Nach der Stilllegung der Plest´schen Brauerei Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der Plest-Keller einen mehrfachen  Besitzerwechsel, bis Johann Auer, der Gründer und Besitzer der Auer-Brauerei, das Anwesen in den 1890er Jahren erwarb. Auer ließ das Gasthaus um 1900 großzügig zu einer der schönsten Bierkellerwirtschaften Rosenheims umbauen. Dabei wurde das Hauptgebäude umgestaltet und das bestehende, angebaute Salettl durch einen großen hölzernen Saalbau ersetzt. Außerdem entstanden Veranden, Terrassen und breite Treppenaufgänge. Das Gasthaus war bald auch im Winter bewirtschaftet und zog neben Ausflüglern mit seiner Kegelbahn und einem Schießstand auch die Mitglieder mehrerer Vereine an.
Das Kalenderbild zeigt das stattliche Ausflugslokal etwa um das Jahr 1910. Nach einem Brand 1972 musste der Saalbau abgetragen werden. Das Gasthaus, dessen Umgebung zunehmend von Gewerbebauten geprägt war, führte bald nur noch ein Schattendasein. 1999 erfolgte der Abbruch des Plest-Kellers.

Text: Karl Mair, Stadtheimatpfleger
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2012/8

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