September - Die Villa Wittelsbach um 1910

„In dem äußeren Theile der Promenadestraße findet man eine neue, im modern englischen Villenstyle erbaute Villa, welche […] nach ihrer Fertigstellung ein reizendes Kleinod der Villenbauten bilden wird“, schrieb der „Rosenheimer Anzeiger“ am 29. September 1898. Die aufgrund ihrer Gestaltung Aufsehen erregende Villa Promenadestraße 24 wurde von Baumeister Max Lutz errichtet und war – den Stilbegriff gab es damals noch nicht – im Jugendstil gestaltet. Seit 1894 erbaute Lutz an der Promenadestraße, der heutigen Prinzregentenstraße, eine Gruppe von Villen, die um 1900 als Rosenheims „Villenkolonie“ ein beliebtes Postkartenmotiv abgaben.

Den Bauplan für die Villa Promenadestraße 24 hatte Lutz im Juni 1898 beim Stadtmagistrat eingereicht. Lange war unklar, von wem der eigentliche Entwurf für die Jugendstilvilla mit dem charakteristischen Erkerturm stammte. Erst 2013 konnte nachgewiesen werden, dass Max Lutz hier ein Projekt des Münchner Architekturbüros Helbig & Haiger ausführte. Ernst Haiger, ein gebürtiger Rheinländer, und Henry Helbig, der aus Amerika stammte, zählten um 1900 zu den progressivsten Baukünstlern in München. Sie entwarfen mit den Mietshäusern Ainmillerstraße 22 und Römerstraße 11 zwei der bekanntesten Münchner Jugendstilbauten. Einige Villenentwürfe präsentierten Helbig & Haiger im Frühjahr 1898 in einer Ausstellung im Münchner Glaspalast und in der Zeitschrift „Dekorative Kunst“. Max Lutz muss dabei auf einen bestimmten Villenentwurf aufmerksam geworden sein und erwarb die Planung von Helbig & Haiger, um diese in Rosenheim umzusetzen. Auf diesem Weg entstand in Rosenheim einer der ersten Jugendstilbauten Deutschlands. Wohl wegen der nahe gelegenen Einmündung der Wittelsbacherstraße hatte Baumeister Lutz der Villa den illustren Namen „Villa Wittelsbach“ gegeben. Nach nur fünf Monaten Bauzeit war die Villa Ende November 1898 bezugsfertig und im Dezember veräußerte Max Lutz das Gebäude an den Privatier Franz Xaver Schmid, der eine der beiden 5-Zimmer-Wohnungen bezog.

Nach Besitzerwechseln wurde das Haus 1951 umgebaut, wobei die Fassade vereinfacht und der hohe Dachkegel über dem Erkerturm abgetragen wurde. 1981 erfolgte der Abbruch der Villa.