Februar - Tänzergruppe beim „Afrikanischen Kostümfest“ im Fasching 1891

Am 17. Januar 1891 veranstaltete der Turnverein Rosenheim ein „Afrikanisches Kostümfest“ in der Turnhalle an der Kaiserstraße. Die Eintrittskarten – für Herren zu zwei Mark und für Damen zu einer Mark – konnten im Vorverkauf in den Geschäften von Johann Huber, Peter Wolf und Otto Grünwald sowie in der Zigarrenhandlung Lindner erworben werden.

Das Kalenderbild zeigt die „Beduinen-Tänzergruppe“ auf dem Kostümfest. 25 junge Rosenheimer hatten sich für ihren Auftritt als Beduinen in prächtige Kostüme gehüllt. Überschwänglich lobte der „Rosenheimer Anzeiger“ wenige Tage nach dem Faschingsfest dessen aufwändige Gestaltung: „Die Kostüme waren der Art, daß sie weder an Glanz und Farbenpracht, noch an historischer Treue zu wünschen übrig ließen. Auch die Scenerie des Saales bot ein großartiges Bild; war es doch den Ausschmückern desselben gelungen, bis an die Saaldecke reichende Palmen verschiedener Art so schön zu imitiren, daß selbst das Auge eines Kenners getäuscht wurde.“ Die Idee des Turnvereins zur Ausrichtung eines „Afrikanischen Kostümfestes“ steht in Zusammenhang mit der im 19. Jahrhundert verbreiteten Faszination für den Orient. Der Mythos des Orients als Ort der Sinnlichkeit und Dekadenz beeinflusste damals Kunst, Musik und Architektur.

Die Fotografie der „Beduinen-Tänzergruppe“ ist eines der ältesten heute erhaltenen Bilddokumente von gesellschaftlichen Ereignissen in Rosenheim und stammt aus dem Nachlass von Rosa Stemplinger. Sie war die Tochter des Bortenmachers Franz Metzger und eine begeisterte Fotografin und Sammlerin von Fotografien. Vermutlich hat Franz Metzger mit den in seinem Geschäft angebotenen Borten- und Stickereiwaren die Herstellung der Kostüme der „Beduinen-Tänzergruppe“ unterstützt. Rosa Stemplingers Bruder Franz nahm im Übrigen als „Beduine“ am Kostümfest teil: Das Foto zeigt ihn in der untersten Reihe als zweiten von links.