Mai - Der Gasthof „Alt-Fürstätt“ um 1916

Am 1. Januar 1913 wurde das Dorf Fürstätt zusammen mit der Vorstadt an der Äußeren Münchener Straße und einigen Streusiedlungen nach Rosenheim eingemeindet. Die Stadt wuchs dadurch um rund 1.000 Einwohner und konnte sich künftig stärker nach Westen entwickeln.

Fürstätt wurde bereits im 10. Jahrhundert als „Veresteti“ erstmals urkundlich erwähnt. Die Kirche St. Quirinus stammt als spätgotischer Bau aus dem 15. Jahrhundert. Sie enthielt einst einen bemerkenswerten gotischen Flügelaltar, der jedoch 1896 an das Bayerische Nationalmuseum verkauft wurde. 1936/37 entstand unweit der alten Dorfkirche mit der Rosenkranzkirche ein neues, größeres Gotteshaus für den westlichen Stadtbereich.

1914 eröffnete Johann Bichler im Fürstätter Ortskern ein Gasthaus. Dafür hatte er ein bestehendes Wohnhaus nach Plänen des Rosenheimer Architekten Carl Baumann umbauen lassen. In dem beim Stadtmagistrat eingereichten „Plan zum Einbau von Wirtschaftslokalitäten“ sind ein Gastzimmer und ein Nebenzimmer, Küche, Speis und Schenke sowie zwei Fremdenzimmer eingezeichnet. Durch den Umbau entstand ein schmuckes Wirtshaus im Heimatstil des frühen 20. Jahrhunderts. Die Gaststättennutzung war durch die großen Fenster im Stil der Zeit schon von außen zu erkennen. Wohl zur Unterscheidung von den Gaststätten, die um 1900 in der Vorstadt an der Äußeren Münchener Straße entstanden waren, wie die Betriebe „Fürstätter Hof“, „Neue Welt“ und „Vier Jahreszeiten“, nannte Johann Bichler sein Wirtshaus „Alt-Fürstätt“.

Nach verschiedenen baulichen Veränderungen und Erweiterungen markiert der Gasthof „Alt-Fürstätt“ bis heute den Mittelpunkt des Dorfes Fürstätt am westlichen Rand des Rosenheimer Stadtgebiets. Das Kalenderbild zeigt den Gasthof um das Jahr 1916. Vor dem Haus sitzen Soldaten, die wohl in der nahen „Sanierungsanstalt“ stationiert waren.