August - Reservisten auf dem Weg zum Bahnhof zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914

Nach der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgerpaares in Sarajevo am 28. Juni 1914 durch serbische Nationalisten führte der Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien binnen weniger Wochen zu einem Krieg zwischen den rivalisierenden europäischen Großmächten. Als Verbündeter Österreich-Ungarns rief das Deutsche Reich am 1. August 1914 die Mobilmachung aus und erklärte am gleichen Tag Russland den Krieg. Die Kriegserklärung an Frankreich folgte am 3. August 1914.

In Rosenheim wurden die aktuellen Meldungen an den Verlagsgebäuden des „Rosenheimer Anzeigers“ und des „Rosenheimer Tagblatts Wendelstein“ angeschlagen. Fragte der „Rosenheimer Anzeiger“ auf der Titelseite der Ausgabe vom 2. August 1914 noch verhalten in großen Lettern „Vor dem Ausbruch des Weltkrieges?“, so enthielt die folgende Ausgabe vom 4. August bereits umfassende Hinweise zur Mobilmachung: „Sämtliche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes, einschließlich der Ersatzreservisten, haben sich zu der auf den Kriegsbeorderungen angegebenen Zeit an dem besagten Orte einzufinden.“ Gleichzeitig ließ das kgl. Bezirkskommando mitteilen, dass „Freiwillige jederzeit angenommen werden“. Außerdem teilte die Zeitung eine Verfügung des Stadtmagistrats mit, dass in zwölf Gaststätten „in der Nähe des Bahnhofes und der Gestellungsplätze“ während der Mobilmachungstage keine alkoholischen Getränke ausgeschenkt werden dürften. Die kgl. Eisenbahndirektion gab die Einschränkungen für den privaten Reise- und Güterverkehr bekannt. Auf den Anzeigenseiten der Zeitung teilten Geschäftsleute und Ärzte ihre Einberufung und die jeweiligen Vertretungsregelungen mit.

Der Erste Weltkrieg hatte begonnen, eine über 40jährige Friedenszeit war somit zu Ende. Für die Stadt Rosenheim endete mit dem Ausbruch des Krieges ein seit dem Eisenbahnanschluss 1857 währender, beispielloser wirtschaftlicher Aufschwung. Das Kalenderbild entstand im August 1914 und zeigt Reservisten auf ihrem von Blasmusik begleiteten Marsch durch die Münchener Straße in Richtung Bahnhof. 458 aus Rosenheim stammende Soldaten fielen im Ersten Weltkrieg oder blieben vermisst.