Januar - Das Altstadthaus Kaiserstraße 22 um 1905

Im Jahr 1904 wies das damalige Bayerische Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten die Distriktverwaltungsbehörden an, erste Verzeichnisse von den örtlichen Baudenkmälern anzulegen. Das neue Bewusstsein für die Bewahrung historischer Bausubstanz war während der vielgestaltigen gesellschaftlichen Veränderungen um 1900 erwacht. In Rosenheim begann Stadtarchivar Ludwig Eid mit großem Engagement die Inventarisierung der aus seiner Sicht wichtigsten Bauwerke der Stadt, ließ Häuser der Altstadt fotografieren und Grundrisse zeichnen.

Unter den damals erfassten Rosenheimer Bürgerhäusern war auch das Haus Kaiserstraße 22. Das Anwesen entstand im 15. Jahrhundert im Zuge der Anlage des Äußeren Marktes, der ersten Stadterweiterung Rosenheims. 1542 zerstörte ein Brand die meisten Häuser an der Kaiserstraße, die damals Wiesengasse genannt wurde. Nach dem Brand baute man das Haus im Stil des Innstadttypus mit hoher, brandhemmender Vorschussmauer wieder auf. Ein früher Besitzer des Hauses ist 1625 mit dem Bäcker Bernhard Huber erwähnt. Bis 1783 wurde in dem Haus eine Bäckerei betrieben. Dann erwarb es der Sattler Jakob Römersperger aus Prien. Ein Sattler stellte neben Reitsätteln auch Pferde- und Kutschgeschirr her. 1827 übernahm Lorenz Römersperger das Anwesen und führte die Sattlerei seines Vaters weiter. Das Sattlerhandwerk wurde ab 1865 in der dritten Generation durch Josef Hofstetter weitergeführt, der Lorenz Römerspergers Tochter Katharina geheiratet hatte.

Als die Fotografie des Hauses im Auftrag Ludwig Eids entstand, betrieb Theodor Schneider als Mieter die Sattlerei im Erdgeschoss. Vor dem Laden sind auf dem Bild Sättel und Pferdegeschirr zu sehen. Um 1915 gab man die Sattlerei im Haus auf. 1933 kam es zu größeren Umbauten im Inneren des Hauses. Nachdem die Stadtverwaltung im Jahr 1999 einen Antrag auf den Abbruch des Hauses abgelehnt hatte, erfolgte nach einem Besitzerwechsel eine umfassende Sanierung. Bei der Gestaltung der Fassade orientierte man sich dabei am Zustand der Zeit um 1900.