April - Das Postamt am Bahnhof um 1930

Nach dem Anschluss Rosenheims an das Eisenbahnnetz im Jahr 1857 konnte auch ein großer Teil des Postverkehrs über das neue Verkehrsmittel abgewickelt werden. Schon die erste provisorische Bahnstation am Roßacker, im Bereich der heutigen Wittelsbacherstraße, umfasste neben einer Güterhalle eine weitere Halle, in der neben dem Betriebsbüro und der Telegraphenstation auch Platz für den kgl. Postdienst enthalten war. Der 1858 fertiggestellte Bahnhof, das heutige Rathaus, enthielt dann mehrere große als „Postbureaux“ genutzte Räume. Ein weiteres Postamt befand sich damals in der ehemaligen Michaelskapelle unweit des Max-Josefs-Platzes. Als 1876 der neue Bahnhof im Südwesten der Stadt fertiggestellt war, zog das Bahnhofspostamt in einige Räume im Westen des neuen Empfangsgebäudes um.
Der zunehmende Postverkehr machte an der Wende zum 20. Jahrhundert den Bau eines eigenen Gebäudes für die Post notwendig: 1901 konnte östlich des Bahnhofs ein neues Postamt eröffnet werden. Der stattliche Bau im Stil des strengen Historismus nahm die Grundformen der bestehenden Bahnhofsbauten auf und unterstrich durch seine Größe die Bedeutung der kgl. Post für Rosenheim. Als im April 1945 der überwiegende Teil des Bahnhofsareals bei Bombenangriffen zerstört wurde, blieb das Postgebäude weitgehend unversehrt. Erst eine umfassende Erweiterung zu Beginn der 1960er Jahre, bei der das Gebäude bis zur  Unkenntlichkeit purifiziert sowie durch einen neuen Trakt ergänzt wurde,  veränderten die Gestalt des Bahnhofspostamtes entscheidend. Als die damalige Deutsche Bundespost ab 1985 einen 140 Meter langen Baukomplex entlang der Bahnhofstraße errichtete, zog auch das Bahnhofspostamt in den Neubau um. Im alten Gebäude, das heute die Anschrift Gießereistraße 43 besitzt, sind inzwischen verschiedene gewerbliche Nutzungen untergebracht.