Januar - Die Eisenbahnbrücke über den Inn um 1930

Für die Eisenbahnlinie nach Salzburg musste bei Rosenheim eine Brücke über den Inn erbaut werden. Etwa 500 Meter südlich der seit dem Hochmittelalter bestehenden Straßenbrücke sollte die Bahnlinie über den Fluss geführt werden. Mit dem Bau der Brücke begann man 1858, bereits 1859 waren die gemauerten Bögen geschlossen und Anfang 1860 war das Bauwerk fertiggestellt. Im Mai 1860 konnte zunächst der Bahnbetrieb bis Traunstein und im August 1860 dann bis Salzburg eröffnet werden. Am Bau der Brücke waren zeitweise über hundert Arbeiter beschäftigt. Die durchziehenden Bahnbautrupps waren in Gasthäusern, Privat- und Notquartieren untergebracht und wurden von den örtlichen Behörden und der Bevölkerung nicht selten als Belastung empfunden.
Auf der Strecke München-Salzburg ist die Rosenheimer Eisenbahnbrücke nach der Großhesseloher Brücke bei München die zweitlängste Brücke der Strecke. Sie überspannt den Fluss auf einer Länge von rund 210 Metern in sieben Segmentbögen von je 22 Metern Spannweite. Die sichtbaren Flächen der Brücke wurden mit Nagelfluhquadern aus den Bibersteinbrüchen bei Degerndorf verkleidet. Bei den Luftangriffen auf das Rosenheimer Bahngelände im April 1945 kam es auch zu gezielten Bombardierungen der Eisenbahnbrücke. Sie wurde jedoch nur  geringfügig zerstört und konnte bereits kurz nach Kriegsende wieder befahren werden. Seit den 1970er Jahren steht die Brücke als Bauwerk der Technikgeschichte unter Denkmalschutz. Heute wird sie täglich von mehr als 200 Zügen befahren. Unmittelbar nach dem östlichen Brückenkopf verläuft die Bahnstrecke in einer starken Rechtskurve weiter in Richtung Salzburg. Weil die Züge hier ihre Geschwindigkeit verringern müssen, kam es früher gelegentlich dazu, dass Spitzbuben auf Güterwagons sprangen und Kaffeesäcke oder andere Waren abwarfen und davontrugen. Im Volksmund wurde das betreffende Geländestück deshalb oft „Kaffeeleiten“ oder „Schelmerleiten“ genannt.