Oktober - Die Wasserwehr Rosenheim 1910

Das verheerende Hochwasser 1899, bei dem sieben Menschen ums Leben kamen, war für die Freiwillige Feuerwehr Rosenheim im Jahr 1900 der Anlass für die Gründung einer Wasserwehr-Abteilung. Ihre Aufgaben waren die Hilfeleistung bei Überschwemmungen und darüber hinaus Uferschutz, Dammbau, Wege- und Brückenbau sowie die Fahrschulung mit Zillen auf dem Inn. Die Ausrüstung der Wasserwehr, die 1900 16 Mitglieder zählte, umfasste damals 2 Pontons, 6 Zillen, 24 Radltruhen, 12 Pickeln, Ketten, Schragen, Anker, Schlegel, Pfähle, Faschinen, Taue, Leinen, Rettungsringe und ein Beleuchtungsgerät und war im städtischen Lagerhaus, dem ehemaligen Lokschuppen in der Rathausstraße, untergebracht.
Eine Bewährungsprobe der Wasserwehr erfolgte am 17. Juli 1914, als ein Hochwasser von Inn und Mangfall Schäden an Äckern und Häusern anrichtete. Der damalige Abteilungsführer Georg Bergmaier berichtete über den Einsatz, der von den Morgenstunden bis in die Nacht währte: „Die erste Tätigkeit war Ausräumen von Wohnungen und Kellerräumen und zugleich
wurde ein umfangreicher Hochwassernachrichtendienst bewerkstelligt. Derselbe erstreckte sich auf Hofau und Innleiten sowie Aisingerlandstraße, Kalten Eck, Kalten Mühle, Happing und wurden die dortigen Bewohner von der drohenden Gefahr in Kenntnis gesetzt. Durch das fortwährende Steigen des Wassers wurde die Fahr- und Gehbahn der Aisinger Bahnunterführung unter Wasser gesetzt und dadurch der Verkehr unterbrochen. Die Wehr errichtete daher einen ca. 100 m. langen Notsteg. Ferner wurden in stark überschwemmten Höfen Gehbahnen errichtet. Nachdem der Kohlenländedamm an einigen Stellen schadhaft wurde, mußten Uferschutzbauten errichtet werden. Durch Abstellen von Booten wurde der Verkehr in stark überschwemmten Straßenzügen aufrecht erhalten; z. B. äußere Ebersbergerstraße, Austraße, Ellmaierstraße und Weinlände. Durch oft wiederholte Patrouillengänge und Ablesen des jeweiligen Flußpegels war die Wehr vom Stand des Wassers ständig unterrichtet. Von 7 Uhr abends ab war ein langsames aber stetiges Fallen des Wassers zu konstatieren und beendete deshalb die Wehr nachts 1 Uhr den Dienst.“