November - Die Schmidbräu-Villa, Prinzregentenstraße 39, um 1910

Das als Schmidbräu-Villa bekannte Eckgebäude an der Einmündung der Küpferlingstraße in die Promenadestraße (heute Prinzregentenstraße) wurde 1899 im Auftrag von Franziska Mayer, der Besitzerin des Gasthauses „Zum Schmidbräu“ am Ludwigsplatz, durch Baumeister Leonhard Hell im Stil des Eklektizismus erbaut. Dieses Bauwerk weist zwei Obergeschosse auf, womit es unter den Villen der Promenadestraße eine Sonderstellung einnahm. Die Ortspolizeiliche Vorschrift über das offene Bausystem an der Promenadestraße hatte nämlich verfügt: „Bei Aufführung von Gebäuden an der Promenadestraße, nördlich der Frühlings- und Sammerstraße, ist das offene Pavillon-Bausystem mit Vorgärten einzuhalten. Die Haupt- und Vordergebäude dürfen abgesehen von einzelnen Aufbauten, Thürmchen, Attiken u. dgl. in der Regel nicht höher als einen Stock über dem Erdgeschoß aufgeführt werden.“
Aus diesem Grund, und weil der ursprünglich geplante Bau nur einen Meter vom Nachbargrundstück (städtischer Holzhof) entfernt gelegen wäre, wurde das Baugesuch der Schmidbräuin 1898/99 mehrmals abgewiesen. Bei der Ausführung wurde deshalb der Standort der Villa gegenüber den ersten Planungen gegen die Straßenecke verschoben und der anfangs verschachtelte, annähernd rechteckige Grundriss stumpfwinklig verschoben. So konnte die städtische Baubehörde überzeugt werden.
Einige Zeit wohnte in der Villa der Maler Benno Eggert (1885-1983), der 1921 von Kutterling nach Rosenheim gezogen war. 1912 stellte der gebürtige Stuttgarter erstmals in der Münchner Secssion aus. Eggert engagierte sich im Kunstverein und der von ihm initiierten Ausstellungsgemeinschaft „Lukasgilde“ und galt als zentrale Figur des Rosenheimer Kunstlebens.
Die Schmidbräu-Villa befindet sich seit den 1960er Jahren in Staatsbesitz. Heute ist hier das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten untergebracht.