Mai - Das alte Leprosenhaus am Hammer 1904

Während des Mittelalters entstanden in den meisten Städten sogenannte Siechen- oder Leprosenhäuser als Quarantänegebäude für Aussätzige („Siechen“) zur Eindämmung dieser unheilbaren Krankheit. In Rosenheim ist die Existenz eines Siechenhauses im Jahr 1462 belegt, wo eine Straße „gein den Siechen“ genannt wird. Es lag außerhalb des Marktes links des Hammerbachs in nächster Nähe des im 18. Jahrhundert errichteten Messinghammerwerks, beim jetzigen Mulitplex-Kino. Unter kirchlichen Zeremonien wurden die Kranken von der Gesellschaft geschieden und dorthin geleitet. Sie bildeten einen besonderen Stand mit eigener Tracht und Holzklappern zur Warnung vor der Ansteckungsgefahr. Diese führte im Jahr 1600 zum Verbot des Bettelns durch die Siechen selbst; stattdessen sollte eine reine Person bestellt werden, die die Sammlung für sie übernahm.
Nach dem Abklingen des Aussatzes diente der schlichte zweistöckige Steinbau mit dem Legschindeldach und Beschwerungssteinen schon seit dem späten 17. Jahrhundert als Armenhaus. Spätestens nachdem 1813 in der Ecke Heilig-Geist-/Stollstraße ein Krankenhaus gegründet worden war, beschränkte sich das Leprosenhaus auf diesen Zweck. Gemäß der vom Magistrat 1890 erlassenen Hausordnung gewährte das Leprosenhaus „erwerbsunfähig oder in hohem Grade erwerbsbeschränkt gewordenen armen in Rosenheim heimatberechtigten Personen beiderlei Geschlechts (Kinder ausgenommen) unentgeltlich Wohnung und Unterkunft.“ Die Aufnahme erfolgte durch den Magistrat, unter dessen Aufsicht die Anstalt stand. Mit der Fürsorge für die Einhaltung der Hausordnung wurde ein Hausmeister aus dem Kreis der noch rüstigen Bewohner bestellt. Im Winterhalbjahr von Oktober bis März war die Aufstehzeit 6.30 Uhr, während das Haus abends um 7 Uhr geschlossen wurde. Während des Sommers standen die Pfründner um 6.00 Uhr auf und mussten bis 8.30 Uhr wieder zu Hause sein. Ab 9.00 Uhr galt Nachtruhe.
1904 wurde das immer noch so bezeichnete Leprosenhaus in die Au verlegt; das hier gezeigte alte Gebäude mit dem zugehörigen Leprosenanger indes dem Maschinenfabrikanten Martin Beilhack für 10.000 Mark auf Abbruch verkauft. Das Abbruchmaterial wurde für die Auffüllung der Kufsteinerstraße verwendet. Dieses von Wachtmeister Windisch aufgenommene Bild entstand kurz vor dem Abbruch.