März - Katholisches Jugendheim mit Volksbücherei bei der Loretowiese 1926

Zur Errichtung des katholischen Jugendheims in der Herbststraße Nr. 4, die 1924 vom Stadtrat genehmigt wurde, stellte die Stadt den Bauplatz unentgeltlich zur Verfügung und gewährte zudem der Katholischen Kirchenstiftung ein Baudarlehen dafür. Das Haus war bestimmt als Vereinsheim des Katholischen Jugendvereins (Lehrlingsschutz) unter Leitung von Kaplan Ludwig Bergmaier, der am 8. März 1925 auch die Einweihung vornahm. Die Feierlichkeiten begannen mit einem von Stadtkaplan Aniser, dem Leiter der Bücherei des Katholischen Pressvereins, zelebrierten Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Von dort machte sich der Festzug mit der Frontkriegerkapelle und Trommlern der katholischen Jugend an der Spitze und mehreren Rosenheimer sowie auswärtigen Vereinen durch die Straßen zum neuen Heim auf. Hier bot die Frontkriegerkapelle den mit Würsten und Brot gratis bewirteten Gästen ein Frühschoppenkonzert. Festredner war Benefiziat Staffler vom Katholischen Jungmännerbund Oenania. Weitere Klavier- und Orchesterdarbietungen und die Aufführung des Märchenstücks „Bruder Lustig“ rundeten am Abend die Veranstaltung ab.
Das Haus selbst barg neben einem Vereinssaal im Erdgeschoss eine Theaterbühne im ersten Stock, sowie Wohnräume für auswärtige Lehrlinge. An der kostengünstigen Verpflegung im Heim, die von Franziskusschwestern besorgt wurde, nahmen auch Mittelschüler teil, die täglich mit der Bahn nach Rosenheim pendelten. Eine besondere Attraktion stellte die Bibliothek der 1906 gegründeten Rosenheimer Ortsgruppe des Katholischen Pressvereins mit eigenem Eingang dar, die ihren früheren Standort im Mittertor hatte. Die Unterbringung dieser rund 5.000 Bände umfassenden ältesten Rosenheimer Volksbücherei in dem großen und hellen Raum des Jugendheims führte bis zum Sommer 1926 zu einer Steigerung der Leserschaft um mehr als das Doppelte. 1930 konnte die Bibliothek noch ausgebaut werden.
Das in der Nachkriegszeit als Heim der Armen Schulschwestern genutzte Haus wurde im Jahr 2001 zur Anlegung eines Biergartens abgerissen. Das vom Photographen Knarr aufgenommene Kalenderbild zeigt das Jugendheim mit dem Portal der Volksbücherei im Jahr 1926.