April - Architekt Carl Baumann mit Ehefrau Anna in Holzklappbooten auf dem Werkkanal der Saline um 1910

Der aus Lothringen stammende „Faltbootvater“ Alfred Heurich (1883-1967), seit 1923 wohnhaft in Rosenheim, hatte als Münchner Architekturstudent 1905 das weltweit älteste Faltboot gebaut. Seine erste Fahrt führte ihn auf der Isar von Bad Tölz nach München, was den Beginn der Faltbootbewegung markiert. Ab 1907 arbeitete Heurich mit dem Schneidermeister und Sportartikelhändler Johann Klepper (1868-1949) zusammen, so dass auf dem Dachboden des Klepperschen Anwesens am Max-Josefs-Platz eine Faltbootwerft entstand. Klepper gründete später die berühmte Faltbootfabrik, die in den 1920er Jahren in das Kunstmühlkraftwerk verlegt wurde. Der von Klepper angelegte Bootssteg am Abfluss dieses Werks war Ausgangspunkt für zahlreiche Ausflüge mit Faltbooten. Ein Hinweisschild trug die Aufschrift: „Direkte Verbindung über Rosenheim, Wasserburg, Passau, Wien, Budapest nach Sulina am Schwarzen Meer“.
Die ersten, von Heurich konzipierten Boote hatten ein groberes Aussehen als die späteren, weswegen sie als „Hadernkähne“ bezeichnet wurden. Ihr Gerüst war aus Bambusrohr hergestellt; Spanten, Bug und Heck waren dagegen aus Laubholz. Für die Bootshaut wurde starkes Segeltuch verwendet. Im zusammengeklappten Zustand behielt das Boot seine vollständige Länge bei, war aber nur noch 40 cm breit und 15 cm dick.
Der Rosenheimer Architekt und Magistratsrat Carl Baumann (1873-1923) unterstützte Heurich und Klepper beim Zusammenbau der Faltboote. Er stammte aus der Pfalz und kam als Angestellter der Münchner Baufirma Karl Stöhr, welche die Bauprojekte Gillitzers ausführte, nach Rosenheim. Nachdem er sich 1898 selbständig gemacht hatte, führte er in Eigenregie große Bauprojekte aus, etwa das Geschäftshaus Weth am Max-Josefs-Platz oder das 1922/23 erbaute Kraftwerk der Kunstmühle. In seinem im Stadtarchiv verwahrten Nachlass haben sich zahlreiche Fotos von Faltboot-Ausflügen, etwa nach Kufstein, erhalten. Dieses Bild zeigt Carl Baumann (links) mit seiner Ehefrau Anna in Sperrholzklappbooten auf dem Werkkanal der Saline. Im Hintergrund rechts ist die „Neue Welt“, das erste Gebäude an
der Äußeren Münchner Straße, zu erkennen. Auffallend sind die feine Kleidung und eleganten Hüte der Sportler.