August - Festzug beim Trachtenfest der Vereinigten Gauverbände des Bayerischen Oberlandes 1930

Die Wiege der organisierten altbayerischen Trachtenbewegung liegt im Oberland: 1883 wurde durch den Schullehrer Josef Vogl in Bayrischzell der erste Trachtenverein gegründet, der seinerseits auf ältere Miesbacher Vorbilder zurückgriff. Der älteste der drei Rosenheimer Trachtenvereine, der später sogenannte „Stamm 1 Rosenheim“, bildete sich 1889 unter dem Namen „Schuhplattlergesellschaft“ und gab sich das Motto „Treu wollen wir uns halten an Tracht und Brauch der Alten“. Unter der Leitung des Gründungsmitglieds Alois Bach erwuchs daraus das Rosenheimer Volkstheater. Der bedeutende Förderer der Trachtenbewegung, Freiherr Theodor von Cramer-Klett, war Ehrenvorstand des Stammes 1. Es folgten 1893 mit „Alt-Rosenheim“ und 1903 mit den „Innviertlern“ weitere Trachtenvereine. 1890 schlossen sich in Bad Feilnbach 15 Trachtenvereine zum „Gauverband 1“ zusammen. Das siebte Gaufest fand 1897 in Rosenheim statt.
Mehr als drei Jahrzehnte später erlebte Rosenheim die größte Heerschau, die es bis dahin in der Trachtenbewegung gegeben hatte: Der große Trachtenaufmarsch der Vereinigten Gauverbände des Bayerischen Oberlandes zog vom 15. bis 17. August 1930 trotz der Wirtschaftskrise über 10.000 Trachtler aus 11 Gauen und über 300 Vereinen sowie über 20.000 Besucher an. Im Pernlohner-, Flötzinger- und Auerbräukeller fanden große Heimatabende mit Festkonzert, Gesang und historischen Tänzen statt. Höhepunkt war der einstündige Festzug, der in der Prinzregentenstraße begann und über den Max-Josefs- und Ludwigsplatz und die Kaiserstraße zur Loretowiese führte, wo eine von Stadtpfarrer Lidl zelebrierte Festmesse und eine Festansprache des Vorsitzenden der Vereinigten Gauverbände, Thomas Bacher aus Westerham, stattfanden. Bei den Feierlichkeiten erinnerte ein Auftritt an den Aufstand im Oberland gegen die österreichischen Besatzer im Spanischen Erbfolgekrieg 1705. Die Sonntagszeitung schrieb darüber: „Starken Beifall fand auch die Historische Schützenkompagnie Lenggries. Das waren die Männer, die schon so oft in der Geschichte des Bayernlandes ihre Treue zur Heimat mit dem Blute besiegelten. Jene Mordweihnacht von 1705 steigt in der Erinnerung auf. Da zogen die Lenggrieser gegen München, in dem die Kroaten hausten, um ihre Hauptstadt zu befreien. Am Sendlinger Friedhof fielen sie alle nach zäher Wehr. ... Der Inngauverband (Rosenheim) brachte eine ergreifende Note in das Festgepränge durch die realistische Darstellung des „Letzten Aufgebotes“. Da zog sie dahin die Truppe mit Sensen, Spießen und Morgensternen.“