Juni - Das Fastlingerhaus beim Mittertor um 1875

Das Fastlingerhaus am Max-Josefs-Platz mit seiner 1993 wiederhergestellten Neo Renaissance-Fassade ist das jüngste im Rosenheimer Altstadtbereich. Die Initialen über dem rechten Fenster im ersten Obergeschoss erinnern an seinen Erbauer den Silber- und Goldarbeiter Nikolaus Fastlinger (1820-1882).
Seit dem Mittelalter floss hier der innere der beiden Stadtgräben was später zur Instabilität des Gebäudes führte. Der Graben wurde im Lauf der Jahrhunderte mit Abfall verfüllt, so dass 1992 beim Abbruch des Gebäudes ein beeindruckender Fundus an alten Keramikscherben geborgen werden konnte. 1827 wurde dieser innere Graben zugeschüttet. Zwischen dem Eitzenbergerhaus und dem Mittertor, an der Stelle des späteren Fastlingerhauses, entstanden vermutlich aber schon um 1800 zwei kleine erdgeschossige Gebäude. Eines dieser Gebäude, das Anwesen Haslauer, erwarb in den 1840er Jahren der Gürtler und Silberarbeiter Nikolaus Fastlinger, Sohn des Webermeisters Josef Fastlinger in der Adlzreiterstraße. Zunächst wohnte Nikolaus Fastlinger im benachbarten Eitzenbergerhaus und betrieb in dem neu erworbenen Gebäude sein Ladengeschäft. Das eingeschossige Bauwerk besaß damals eine Vorschussmauer und ein schindelgedecktes Grabendach. Nach dem Zukauf weiterer Liegenschaften konnte Fastlinger 1851 den Laden nach Plänen von Maurermeister Simon Lutz aufstocken. Das Fastlingerhaus bestand nunmehr aus einer Werkstatt mit Kreuzgewölbe, einer zugehörigen Küche und neuen Wohnräumen im Obergeschoss. Die Biedermeierfassade des neu erbauten Obergeschosses war an den Kanten mit zwei Eckpilastern und am oberen Rand mit einem Zackenfries geschmückt und wies zwei rundbogige Fensterpaare auf. Das Eisenblechdach war in Walmform ausgeführt. Daneben besaß Fastlinger nach wie vor zwei Wohnungen im Vorder- und zwei im Hinterteil des Eitzenbergerhauses von wo eine hölzerne Verbindung zum Fastlingerhaus bestand die den zwischen beiden Gebäuden befindlichen kleinen Laden des H. Hayler überbrückte. Dieser Zustand ist in dem Kalenderbild festgehalten. Zwischen Eitzenberger- und Fastlingerhaus ist anstelle des früheren Haylerschen Geschäfts der Posamentierladen des Ferdinand Wälischmiller zu erkennen, der 1875 sein Gewerbe beim Magistrat angemeldet hatte.
Erst 1877 rückte das Fastlingerhaus,  indem es um eine dritte Fensterachse verbreitert wurde, dicht an das benachbarte Eitzenbergerhaus heran und erhielt ein zweites Ober- und ein Mezzaningeschoss. Damals entstand auch die heute noch erhaltene, prächtige Neorenaissance-Fassade im Süden. Vom alten Haus wurde bei dieser Umgestaltung das Heiligenbild an der Fassade übernommen. Das Fastlingerhaus gelangte 1899 an den Schwiegersohn von Nikolaus' Sohn Anton (* 1852), den aus Nördlingen gebürtigen Buchhändler Leonhard Berchtenbreiter (+ 1925).