Januar - Blick von der Schönen Aussicht bei Fürstätt auf Rosenheim 1928

„Die unermüdlichste Schönheit seid ihr, Berge,
auf andere Weise das Meer,
gleichgeblieben seit ich euch sah,
gleichgeblieben seit den Kreuzzügen
und dem kriegerischen Rausch nach Italien,
so formgeworden, daß die ungeheure Bewegung der Erde,
die euch bildete, mir heute noch das Herz bewegt.“
Zu diesen Versen, ein Auszug aus dem Gedicht „Die Schöne Aussicht bei Rosenheim“, wurde der Leipziger Dichter Georg Maurer bei einem seiner Rosenheim-Besuche im Jahr 1955 inspiriert. Die „Schöne Aussicht“ genannte bewaldete Anhöhe bei Fürstätt bietet einen beeindruckenden Panoramablick auf Rosenheim und die dahinter liegende Gebirgskette von den Reichenhaller Bergen über die Kampenwand bis zur Hochries. Der Spaziergang zur „Schönen Aussicht“ war für Rosenheimer Familien eine alte Tradition. Auf dieser Höhe stand damals die hölzerne Sommerturnhalle des TSV 1860, die 1938 einem neuen Sportheim mit angeschlossener Gaststätte wich. Der Blick reicht vom Schloßberg links, wo die St. Georgskirche und das Salinschlößl am Standort der ehemaligen Burg Rosenheim auszumachen sind, über das Rosenheimer Zentrum mit der St. Nikolauskirche zur Saline in der Bildmitte, erkennbar an den Kaminen. Davor ist der Rohbau der damals im Bau befindlichen Christkönigskirche im westlich der Kernstadt neu entstehenden Stadtteil Küpferling zu sehen. Noch vor dem Ersten Weltkrieg entstanden dort die ersten Häuser; den Kern der Siedlung bildeten die von der 1908 gegründeten Baugenossenschaft Rosenheim und Umgebung errichteten Wohnbauten. Ganz rechts reicht der Blick bis zum markanten Getreidesiloturm der Kunstmühle, errichtet 1915/16 in Stahlskelettbauweise. Der linke Bildrand durchschneidet die Bahnlinie nach München und Wasserburg.
Im Vordergrund sind zwei Anwesen im Bereich der heutigen Ecke Kirchbach- / Salurner Straße zu sehen. Auf diesem Gelände entstand in den 1960er Jahren die Siedlung „Unter-Fürstätt“ als jüngste der auf der ehemaligen Fürstätter Markung erwachsenen.
Dahinter ist das Gelände des Thallerschen Sägewerks an der Fürstätter Straße zu erkennen; rechts daneben das Holzlager am Herderbach.