Juli - Das Alpinum im Riedergarten um 1930

„Wenn es irgend etwas gibt, auf das die Stadt Rosenheim ganz besonders stolz sein kann, dann ist es der wunderschöne Riedergarten an der Rathausstraße. Jetzt in diesen Tagen der Reife, der vollendeten Erfüllung des Sommers, jetzt schenkt er alle Reize seines Daseins mit vollen Händen aus, Duften strömt aus tausend Blüten, der Rosen Geleucht verglüht sich in brennenden Farben, Palmen strahlen neben schlichten Margriten, der Linde Blühen neigt sich zärtlich über knospende Malven und flammenden Mohn. Almrosen sind wie Blutstropfen über grauem Fels; in verschwiegenen Ecken wagt sich der Farn hervor, zitternd beugen sich die Gräser unter heißem Wind.“
Der Riedergarten, der hier 1932 vom Reporter der Rosenheimer „Sonntagszeitung“ so überschwänglich gepriesen wurde, war früher als Apothekergarten im Privatbesitz der Familie Rieder und gelangte 1925 in den Besitz der Stadt. Dies war der Anlass einer Neugestaltung zu einem Zier- und Lehrgarten. Der botanische Schulgarten mit Tieflandpflanzen lag im rückwärtigen, zuvor nicht zugänglichen Teil des Gartens. Darüber hinaus wurde ein „Alpinum“ für die Alpenflora angelegt, das in der illustrierten Wochenzeitung „Am Sonntag“ 1926 folgendermaßen beschrieben wurde:
„Auf einer Bank, von der wir einen schönen Durchblick auf das Wahrzeichen Rosenheims, den Zwiebelturm der Pfarrkirche haben, machen wir eine kleine Rast. Dann lenken wir unsere Schritte dem neuerstandenen Teile des Alpinums zu. Um den geschmähten Schutthaufen hat sich ein Felsbau entwickelt, so wie er eben in erster Linie als Mittel zum Zwecke geeignet ist. Maßgebend war vor allem die Grundlage für die sachgemäße alpine Bepflanzung, erst in zweiter Linie das ästhetische Empfinden. Daß auch dieses zur Geltung gelangte, kann leicht auf dem beifolgenden Bilde entschieden werden.
Dem Namen „Alpinum“ entsprechend, wurde selbstverständlich der Schwerpunkt der Anpflanzung auf die alpinen Pflanzen und Sträucher gelegt, dann aber auch wurde, da erfahrungsgemäß viele Voralpenpflanzen, die oft die Höhenregionen beziehen, auch diese hereingezogen, so daß ein ziemlich natürliches Bild der Pflanzendecke unserer Voralpen und Alpen erscheinen wird. In dem fertiggestellten Teile (zwei Drittel werden noch im Herbste ausgebaut) sind aus der näheren Umgebung, aus unseren Vorbergen, wie Heuberg, Soien etc. bereits eine große Anzahl von Alpinen d. i. über 100 Arten bepflanzt, darunter manche Art, die den Kenner entzücken wird, die aber zur Zeit verblüht und unscheinbar geworden ist ...“