März - Das Café Ludwig in der Prinzregentenstraße um 1930

Wegen der Eigenschaft Rosenheims als Kurort entstand schon 1798 – gegen den Widerstand der die Konkurrenz fürchtenden Rosenheimer Bierwirte und des Magistrats – das erste Caféhaus. Im Jahr 1900 gab es bereits elf Caféhäuser in Rosenheim. Der aus Niederbayern stammende Konditor und Wirt Mathias Wendl, der seit 1875 sein florierendes Café und Restaurant am Max-Josefs-Platz 18 betrieb, konnte 1894 auch das Anwesen Samerstraße 33 und 35 mit dem daneben liegenden Bauplatz an der Straßenkreuzung zur Promenadenstraße erwerben. Seine Witwe Maria Wendl, geb. Koller, errichtete 1896/97 auf diesem Platz ein Wohn- und Geschäftshaus, das unter der Bezeichnung „Café Ludwig“ von Pächtern betrieben wurde. In den 1920er Jahren war das Gebäude im Besitz von Johann Baptist Huthmann, der ihm zeitweilig auch seinen Namen verlieh. Nach 1930 wechselte das Haus mit dem Besitzer erneut den Namen: Seit der Eigentümerschaft des Cafétiers Ägidius Sell, der das Café abermals verpachtete, wurde es Café Sell genannt. Damals fanden dort zwei Mal in der Woche Tanzveranstaltungen und jeden Sonntag ein Konzert statt. Das Haus verfügte auch über Fremdenzimmer. Wo ursprünglich der Garten lag, wurde 1956 das „Capitol-Kino“ angebaut und mit dem bestehenden Gebäude zu einem Komplex vereinigt. Als dieses Kino wenige Jahre später erweitert wurde, musste die beliebte Gaststätte weichen. Ägidius Sell betrieb indes das Abendlokal „Aegidi-Stuben“ in der Kaiserstraße 15. Da sich heute nach einer Unterbrechung von mehreren Jahrzehnten wieder ein Cafébetrieb im früheren „Café Sell“ niedergelassen hat, gehört es zu den ältesten bestehenden Caféhäusern der Stadt.