Oktober - Das "Filialfeuerhaus" im Eichamt an der Bayerwiese

Da sich im alten Rathaus am Max-Josefs-Platz kein ausreichender Platz bot, wurden vor 1800 die wenigen Löschgeräte des Marktes Rosenheim in den Gebäuden jener Handwerksmeister untergebracht, die sie im Brandfall bedienten; so waren zum Beispiel die Leitern beim Zimmermeister untergebracht. 1804 wurde erstmals ein eigenes Feuerhaus als Schuppen neben dem Inntor errichtet. 1841 genehmigte der Markt Mittel zur Errichtung eines „Steigerhauses“, die Ausführung wurde jedoch nicht realisiert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden mehrere „Feuerhäuser“ und „Feuerfilialen“ errichtet, die den mittlerweile drei Kompanien der Rosenheimer Feuerwehr zugeordnet waren. Die 1. Kompanie hatte ihr Quartier im 1900/01 neu erbauten Eichamt an der Bayerwiese.
Bereits am 10. November 1898 hatte die Lokalbaukommission beschlossen, das neue Eichamtsgebäude auf dem Viehmarktplatz in nächster Nähe der Gasanstalt zu erbauen. An die Fasseiche anschließend wurde gemäß einem Antrag der Feuerwehr im Erdgeschoss ein Hydrantenlokal für die Feuerlöschrequisiten und eine Werkstätte für den Brunnmeister der Wasserleitung gebaut, so dass hier für den östlichen Stadtbereich ein „Filialfeuerhaus“ zur Verfügung stand. Im Obergeschoss befanden sich zwei Wohnungen für den Eichmeister und den Brunnwart. An der Westseite erhob sich über dem neuen Gebäude der Steigerturm mit Schlauchtrockenraum für die Feuerwehr. Das von Stadtbaumeister Georg Mackert geplante Bauwerk sollte die Stadt knapp 44.000 Mark kosten.
1955 wurde das Rosenheimer Eichamt, nun ein Nebenamt des Bereichs Traunstein, aufgelöst. Es wurde jedoch bis 1968 als unbesetzte Nebenstelle an seinem bisherigen Sitz in der Bayerstraße weitergeführt, in der weiterhin monatlich einmal Amtstage stattfanden. 1984 wurde das charaktervolle Gebäude im Zuge des Neubaus der Stadtwerke abgebrochen.
Das Kalenderbild zeigt die Fassade des Eichamtes von Süden aus im Jahr 1928. Im – vom Betrachter aus gesehen – rechten Gebäudetrakt befand sich das Eichamt mit Büro und Fasseiche, daran anschließend das Feuerhaus mit separatem Eingang und dem markanten Steigerturm als Abschluss. Davor postiert die 1. Kompanie der Freiwilligen Feuerwehr mit ihrem neuen Spritzenwagen.