September - Ballonaufstieg in Rosenheim

Ein Ereignis der besonderen Art hatte sich der bayerische Aeronauten-Club - unterstützt vom Rosenheimer Fremdenverkehrsverein - im September 1913 für Rosenheim ausgedacht: für fünf Mark konnten Interessierte einen Ballonaufstieg über Rosenheim buchen. Ursprünglich für den 20. September geplant, konnten die Rosenheimer wegen einer einwöchigen Regenperiode erst am 28. September „in die Luft gehen". Auf der Gabrielwiese an der äußeren Rathausstraße, dem heutigen Sportplatz des MTV 1860, wurde ab dem frühen Morgen der 1.000 Kubikmeter Wasserstoff fassende Ballon befüllt, so dass um ein Uhr mittags vor zahlreichen Zuschauern der Startschuss gegeben werden konnte. Das Programm zerfiel in zwei Hälften: zunächst fanden sieben Aufstiege im Fesselballon statt, wobei die Passagiere etwa eine Viertelstunde lang den Blick über Rosenheim genießen konnten. Insgesamt sechs Passagiere fasste der bequem mit Sitzgelegenheiten und Decken ausgestattete Gondelkorb. Unter der „sachkundigen Führung von Herrn Oberpostinspektor Bietschacher" fanden sich viele interessierte Rosenheimer, auch „zahlreiche Damen", wie der Rosenheimer Anzeiger zu berichteten wusste, die einen Blick aus luftiger Höhe auf die Stadt werfen wollten. Um halb drei Nachmittag wurde dann eine Fahrt im Freiballon veranstaltet. Als Teilnehmer standen Oberpostinspektor Bietschacher, Regierungsrat Reubold vom Aero-Club, Diplom-Ingenieur Knorr aus München und Herr Reischl, der Chauffeur von Johann Senft, zur Verfügung. Kurzfristig konnte noch Hoflieferant und Charkutier Hans Arzmiller zusteigen. Das Stadtorchester unter der Leitung von Stadtmusikmeister Franz Xaver Berr, das schon während der ganzen Veranstaltung konzertierte, hatte für die Passagiere einen musikalischen Abschiedsgruß einstudiert. In einer Höhe von fast 3.000 Metern trug der Ballon die Fluggäste über Kolbermoor und Hohenthann nach Glonn, wo um dreiviertel fünf die Fahrt in einer Baumgruppe unbequem zu Ende ging. Sechs mitgenommene Brieftauben informierten über Einzelheiten des Fluges und der Landung. Fabrikant Martin Beilhack hatte den Ballon mit seinem Automobil verfolgt, so dass die „Aeronauten" in kurzer Zeit von Glonn nach Rosenheim zurückgebracht werden konnten. Von den vom Ballon aus aufgenommenen Luftbildern ist leider keines ins Stadtarchiv gelangt.
Das Kalenderbild zeigt einen der Aufstiege im Fesselballon, im Hintergrund ist der Turm der evangelischen Kirche zu erkennen. Die Namen der Passagiere sind leider nicht bekannt.