Januar - Der Ludwigsplatz mit der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus

Im Lauf der Jahrhunderte mehrmals baulich verändert beherrscht die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus seit alters her den Rosenheimer Altstadtkern. Das Kalenderbild für Januar zeigt den Blick auf die Kirche vom Ludwigsplatz aus, der bei der Neubenennung und Neu-nummerierung der Straßennamen 1882 offiziell mit diesem Namen nach dem zweiten bayerischen König bezeichnet wurde. Unter dem Namen Ludwigsplatz wurden nun die verschiedenen kleinen Märkte auf dem Platz, wie der Eiermarkt (östlich vor dem Mittertor), der Schweinemarkt (heute Grüner Markt) und der Köstenmarkt entlang der Hausnummern 28 bis 31, also von Schuh Reindl bis zum Gietl-Haus, zusammengefasst.
Das Kalenderbild, das um 1910 entstanden ist, zeigt den bereits teilweise gepflasterten Platz mit Viktualienmarktständen, die hier jeden Donnerstag und jeden Sonntag nach der Kirche Südfrüchte, Obst, Kartoffeln, Gemüse, Blumen, Eier, Geflügel und Fisch als Grundversorgung für die Bevölkerung anboten.
Die Nikolauskirche links zeigt sich dem Betrachter bereits im erweiterten und umgebauten Zustand nach 1881 mit dem aufwändigen Außenzugang zur Sakristei. 1878 war das alte Mesnerhaus auf dem Ludwigsplatz auf Abbruch verkauft worden, wodurch der nötige Raum für die Erweiterung des Presbyteriums geschaffen wurde. Am Nikolaustag 1881 war die Kirche mit Rückführung des Allerheiligsten aus der Josephskirche wiedereröffnet und im Oktober 1883 durch Erzbischof Dr. Antonius von Steichele feierlich eingeweiht worden. Die neue Innenausstattung zog sich allerdings noch bis 1886 hin.
Rechts im Bild dominiert das Gietl-Haus den Platz. 1875 ließ Joseph Gietl das alte Haus, das er 1855 von der Witwe des Michael Haslberger erworben und in dem er seine erste Glaserei und Glaswarenhandlung eingerichtet hatte, abbrechen und stattdessen einen dreigeschossigen Neubau im klassizistischen Stil errichten.