August - Vorstadtidylle an der Kufsteiner Straße

Ursprünglich begann die Landstraße nach Kufstein bei der Oswaldmühle und endete - was Rosenheimer Stadtgebiet betraf - an der Mangfallbrücke. Dahinter begannen bereits die Gemarkungen der Gemeinden Aising und Happing. 1882 beschloss der Rosenheimer Magistrat die Namensbezeichnung der Straße, und damit wurden ihr auch die alte Mühlgasse, von der Münchener Straße zur Oswaldmühle, und Teile des alten Angerwegs einverleibt. Bis 1837 verlief die Marktgrenze von Rosenheim noch bei der Oswaldmühle, das dahinterliegende Gebiet am Hammer, zu beiden Seiten der Kufsteiner Straße gehörte zur Gemeinde Roßacker. Erst mit der Eingemeindung von Roßacker kam dieses - auch von der Gestaltung der Häuser - sehr ländlich geprägte Gebiet zu Rosenheim.
Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Kufsteiner Straße nicht gepflastert, die meist zweistöckigen Häuser lagen teilweise unter dem Straßenniveau. 1908 beantragten Johann Steinauer, Nikolaus Pichler und Georg Rinser, Eigentümer der Häuser Kufsteiner Straße 22, 24 und 26, die Pflasterung der Straße und die Neuanlage eines Trottoirs vor ihren Anwesen, da die Straße bei schlechtem Wetter nicht passierbar war. Vor den Gebäuden der benachbarten Saline legten Kinder im Winter Eis- und Schlittenbahnen an, eine verordnete Räumpflicht gab es noch nicht. Die Gesamtkosten für eine Regulierung der Kufsteiner Straße wurden vom Stadtbauamt mit Grundabtretung, Vermessung und Wiederherstellen der Vorgartenzäune auf 1.050 Mark veranschlagt, die jeweils etwa zur Hälfte die Gemeindekasse und die Pflasterzollkasse tragen sollte. Diese Summe war dem Stadtmagistrat allerdings zu teuer, so dass der Antrag zunächst abgelehnt wurde. Erst als die Hausbesitzer auf eine Entschädigung für die Abtretung von Grund verzichteten und die Kosten damit um 220 Mark gesenkt wurden, konnte 1914 mit der Pflasterung und Trottoiranlage in der Kufsteiner Straße begonnen werden.
Das Kalenderbild, das um das Jahr 1910 entstanden ist, zeigt links das Wohngebäude des Zimmermanns Georg Rinser, in dem in den 1930er Jahren auch die Schriftstellerin Luise Rinser wohnte. Hinter den benachbarten Häusern von Nikolaus Pichler und Johann Steinauer ist ganz rechts im Bild der Arbeiterstock der Saline zu sehen, ein Wohngebäude für Salinenarbeiter, in dem auch die Schlosserei der Saline untergebracht war.