Oktober - Die Knabenschule an der Königstraße

Am 7. Oktober 1867 konnte das Knabenschulhaus an der Königstraße eingeweiht werden. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte in Rosenheim große Schulraumnot. Sowohl der Knaben-, als auch der Mädchenschule standen nur unzulängliche und heruntergekommene Räume im Inntor und in der profanierten Michaelskapelle zur Verfügung. Die Marktgemeinde Rosenheim erwarb von der St.-Josephs-Spital-Stiftung an der damaligen Bahnhofstraße, der späteren Königstraße, einen Baugrund. Mit der Planung wurde der Königliche Professor an der Technischen Hochschule München, Ludwig Foltz, beauftragt; Ende 1866 begann man mit dem Bau des Schulhauses. Die Ausführung des Neubaus nach den Foltzschen Plänen übertrug man dem Baumeister Simon Lutz unter der Oberaufsicht des Königlichen Bauamtmannes Adam Nabinger. Auf Anregung des Staatsministeriums wurde die Fassade durch den Kunstbauausschuss in München abgeändert und erhielt ein architektonisch wirkungsvolles Äußeres, das in seiner Gestaltung im Maximiliansstil dem Münchner Architekten Rudolf Wilhelm Gottgetreu zugeschrieben wird. Die Büste König Ludwigs II. über dem obersten Stockwerk sowie die vier Statuen, die den Handel, das Gewerbe, die Industrie und die Religion symbolisieren, führte der Rosenheimer Steinmetzmeister Johann Rehle aus. Der Bau wurde mit einem Kostenaufwand von über 60.000 Gulden hergestellt. Anfänglich waren im Gebäude nicht nur die drei Knabenklassen, sondern auch die Präparandenschule und die gewerbliche Fortbildungsschule sowie Wohnungen für zwei Lehrer und den Präparandenhauptlehrer untergebracht. In bzw. nach den beiden Weltkriegen hatte das Schulgebäude wiederholt Einquartierungen gedient. Im Mai 1945 beschlagnahmte die US-Army das Gebäude für Feldpost und Intendantur. Erst im September 1945 konnte das Schulhaus der Stadt für seinen ursprünglichen Zweck wieder zur Verfügung gestellt werden. Anfang der 1980er Jahre herrschte im Schulgebäude drangvolle Enge. Mehrere Klassen mussten in andere Grundschulen ausgelagert werden. Als Ersatz baute die Stadt die Grundschule Mitte und beschloss, das alte Schulhaus an der Königstraße an die Private Wirtschaftsschule Dr. Kaischeuer zu verkaufen, die das Gebäude 1986 bezog. Das Kalenderbild zeigt die Knabenschule um das Jahr 1910, über dem Schulhausdach lugt der Kirchturm der Spitalkirche St. Joseph hervor, links im Bild ist ein Teil des sogenannten Rußwurm-Häusls zu sehen.