Juni - Die Kaffeerösterei von Josef Voggenauer in der Adlzreiterstraße

Für 18.000 Mark kaufte Josef Voggenauer 1891 das Anwesen Adlzreiterstraße 8 vom Schuhmacher Josef Reindl. Josef Voggenauer hatte bereits 1876 als Krämer das Gewerbe einer Gemischtwarenhandlung mit offenem Laden beim Magistrat angemeldet. Ab 1887 betrieb er in der Adlzreiterstraße eine Farbmalz-, Kaffee- und Getreide-rösterei. Außerdem handelte er auch mit Tee, Kakao und „Chokoladen" und bot zudem Gersten- und Weizenkorn an. 1904 schloss er mit seiner Frau Elise, die er 1876 geheiratet hatte, einen Ehe- und Erbvertrag, in dem sich die beiden Ehepartner zunächst gegenseitig begünstigten. So erbte Josef Voggenauer beim Tod seiner Frau 1911 allein das Geschäft, das erst mit seinem Tod 1913 an die fünf Kinder Josef, Anna, Elise, Dora und Maria überging. Der einzige Sohn Josef hatte als gelernter Kupferschmied und Installateur kein Interesse am Weiterbetrieb der Kaffeerösterei, so dass sich die Geschwister 1916 darauf einigten, dass die jüngste Tochter Anna das Geschäft im Alleineigentum übernahm. Bis 1939 betrieb Anna Voggenauer die Rösterei, die sie im gleichen Jahr an den Möbelhändler Alois Spanrad verkaufte.
Das Kalenderbild zeigt die Kaffeerösterei im Jahr 1926, vorne an der Adlzreiterstraße den Laden und im Rückgebäude die Rösterei und Brennerei am „Botenfeuergang", dem schmalen Gässchen, das von der Adlzreiterstraße, die früher Botengasse hieß, zum Stadtkanal und zur Binderwiese führte. Die Bezeichnung „Botenfeuergang" wurde außer in einem Grundsteuerkataster von 1858 sonst nirgends schriftlich fixiert und war offenbar nur im Volksmund üblich. Dieses Gässchen war wohl bewusst nach dem großen Stadtbrand von 1641 als Fluchtweg im Brandfall geschaffen worden, da sonst zwischen den beiden nächsten Stadttoren, dem Wiesen- und dem Färbertor, kein Ausweg aus dem mit einem Graben umgebenen „Äußeren Markt" vorhanden war.