September - Das Gasthaus "Zum Rangierbahnhof"

1897 ließ der Holzhändler Josef Schneider in seinem Haus in der Münchener Straße 86c eine Gastwirtschaft einbauen und beantragte die entsprechende Gewerbekonzession. Zunächst hatte er in seinem Haus für die Arbeiter und Gehilfen des benachbarten Rangierbahnhofs eine Kantine betrieben. Da aber nicht nur die Bahnbediensteten bei ihm einkehren wollten und die Nachfrage nach Gastwirtschaften in diesem Teil der Stadt sehr groß war, stellte Schneider beim Magistrat den Antrag, sein Gebäude um eine öffentliche Gaststätte erweitern zu dürfen, die wegen ihrer Nähe zu diesem Teil des Bahnhofs den Namen „Zum Rangirbahnhof" erhielt. Dazu musste er sein Haus rückwärtig um eine größere Küche, Toilettenräume und eine Verlängerung seines geplanten Lokalraums erweitern. Im gleichen Jahr gründeten Rangierarbeiter in seinem Gasthaus eine Zimmerstutzengesellschaft mit dem Namen des Lokals. 1904 wurde allerdings der Vereinsname in „Schützengesellschaft Teil" geändert. 1899 stellte Josef Schneider für sein Lokal einen Geschäftsführer, den Wirtssohn Josef Schmid aus Wasserburg, ein. Trotzdem verkaufte er noch im gleichen Jahr das Gasthaus an den Wirt Josef Schulz aus Oberaudorf, dem von der dortigen Polizeibehörde ein einwandfreier Leumund bestätigt wurde, mit der Versicherung, „dass der Rosenheimer Magistrat davon ausgehen könne, dass Schulz das Wirtschaftsgewerbe zur Förderung der Völlerei, des verbotenen Spieles, der Hehlerei oder der Unsittlichkeit nicht missbrauchen werde". 1904 erwarb der Rosenheimer Bierbrauer Johann Auer das Gasthaus, das daraufhin von Sebastian Grabichler als Pächter weitergeführt wurde.
Das Kalenderbild zeigt das Gasthaus „Zum Rangirbahnhof" im Jahr 1900, rechts ist das Anwesen des Lokomotivheizers Michael Vogl zu sehen, links neben dem Gasthaus das noch unbebaute Grundstück der Flötzinger Brauerei, auf dem ab den 1950er Jahren ein neues Behördenviertel entstand.