Januar - Rosenheim zur Gründerzeit

Im Jahr 1900 war Rosenheim mit 14.000 Einwohnern bereits nach München und Ingolstadt die drittgrößte Stadt in Oberbayern. Seinen Aufschwung hatte Rosenheim vor allem der Ansiedlung der Saline zu Beginn des 19. Jahrhunderts und 50 Jahre später dem Bau der Eisenbahn zu verdanken. Rosenheim wurde zu einem Bahnknotenpunkt und Handelszentrum und übertraf von nun an Orte wie Aibling, Traunstein oder Wasserburg an Bedeutung. Die Entwicklung Rosenheims während der Gründerzeit prägt bis heute die Struktur der Stadt mit mittelständischen Handwerk und Gewerbe, vielen Einkaufsmöglichkeiten, weiterbildenden Schulen und staatlichen Behörden. Rosenheim wurde damit für Zuwanderer attraktiv.
1907 waren rund 2.000 Arbeiter in Betrieben mit über 50 Beschäftigten tätig. Industriebetriebe siedelten sich vor allem an der südlichen Peripherie der Stadt an, wo sich in Bahnhofsnähe der Vorteil eines eigenen Gleisanschlusses bot. Der enorme wirtschaftliche Aufschwung veränderte das Stadtbild, sämtliche öffentlichen Gebäude, alle Schulen und kommunalen Einrichtungen wurden in der Gründerzeit um 1900 neu erbaut. So wurde Rosenheim zu einer modernen Stadt mit breiten, gepflasterten Straßen und gepflegten Promenaden, mit Elektrizitätswerk, Kanalisation und Telefonnetz. Gymnasium, Realschule, Präparandenschule sowie viele staatliche Ämter erhielten ihren Sitz in Rosenheim. Erst der Ausbruch des 1. Weltkriegs machte dem Aufschwung Rosenheims ein Ende.
Das Kalenderbild zeigt den Blick von einem der Kamine der Saline aus auf die Türme der Altstadt. Dominant ist der Gillitzerblock mit der Kuppel des Kaufhauses Wilhelm. Die Fotografie entstand im Herbst 1899.