Dezember - An der Promenadestraße

Bis 1898 standen an der Promenadestraße (heute Prinzregentenstraße) zur Ecke Stollstraße die beiden niedrigen Wohnhäuser des Schreinermeisters Michael Stark und des Buchbindermeisters Alphons Nigg mit den Hausnummern 6 und 8. Nach dem Bau des im Gründerstil erbauten Gillitzerblocks, der erstmals Großstadtarchitektur nach Rosenheim brachte, wollten die Hausbesitzer auf der gegenüberliegenden Straßenseite an Modernität wohl nicht nachstehen. Großzügige, dreigeschossige Wohnhausneubauten mit Erkern und Türmchen ersetzten die beiden alten Häuser, die noch ganz ländlich anmuteten. Beide Hausbesitzer waren alteingesessene Rosenheimer Handwerker, die es sich leisten konnten, im neuen Zeitgeschmack zu bauen. Der Vater von Michael Stark, ebenfalls Schreinermeister, saß bereits seit 1860 als Mitglied im Magistratsrat. Sein 1851 geborener Sohn fertigte teilweise die Kirchenstühle bei der Erweiterung und Erneuerung der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus im Jahr 1889. Alphons Nigg war der Sohn des Buchbindermeisters Alois Nigg, der von seinem Vater das Buchbindergeschäft übernahm. Nachdem der Bahnhof 1878 verlegt worden war, hatte man aus dem alten Bahnkörper der Strecke nach München die Promenadestraße gebildet, an der 1880 vom Verschönerungsverein eine Kastanienallee gepflanzt worden war. Die Straße galt als schönste der Stadt und wurde anläßlich des 90. Geburtstages des Prinzregenten Luitpold am 12. März 1911 in Prinzregentenstraße umbenannt. Entsprechend des Rosenheimer „Baubooms" um 1900 entstanden nun Wohn- und Geschäftshäuser und herrschaftliche Mietshäuser großstädtischen Formats. Die bürgerlichen Bauherren leisteten sich repräsentative Privatbauten. In diesem Zeitgeist ließen auch Michael Stark und Alphons Nigg ihre alten Häuser abbrechen und durch Neubauten ersetzen.
Das Kalenderbild zeigt noch die beiden alten Wohnhäuser, die von der Straße zurückversetzt lagen. Im Vordergrund sind die Kastanienbäume der vom Verschönerungsverein gepflanzten Allee zu sehen.