Januar - In der Kaiserstraße

1882 wurde die alte Wiesengasse zur Erinnerung an Kaiser Wilhelm I., der auf seinen Reisen nach Bad Gastein in den Jahren 1876 bis 1885 neunmal die Stadt Rosenheim besuchte, in Kaiserstraße umbenannt. Die alte Wiesengasse hatte ihren Namen nach dem Wiesentor, das die Gasse stadtauswärts abschloß. Mit zunehmendem Verkehr stellte das Tor immer mehr eine Behinderung dar, da nicht einmal zwei Bauernwagen nebeneinander das Tor passieren konnten, was an Markttagen besonders problematisch war. Deshalb beschloß der Magistrat 1876 den Abbruch des Wiesentors, der im Frühjahr 1878 durchgeführt wurde. Der Bereich außerhalb des Tores, von der Ellmaierstraße bis zur Loretokapelle, war lange Zeit fast unbebaut und hieß „Vor dem Wiesentor" oder "Bei den Salzstädeln". Eines der dort errichteten Häuser war das zweistöckige Haus des Musikers Anton Sporer, das unmittelbar vor dem äußeren Stadtgraben und dem Wiesentor lag. Das Kalenderbild zeigt das Sporer-Haus links im Bild. Der 1831 in Rosenheim geborene Anton Sporer war gelernter Maurer. Daneben übte er aber auch den Musikerberuf aus. Dabei brachte er es immerhin bis zum Türmergesellen, er arbeitete also mit dem Rosenheimer Türmer- und Stadtmusikmeister Franz Xaver Berr eng zusammen. Bei der Geburt seines Sohnes Anton im Jahr 1863 war Berr auch der Pate des Kindes, sowie seine Frau, Franziska Berr, bei der Geburt der Sporer-Tochter Walburga 1864 Patin wurde. 1862 hatte Anton Sporer das elterliche Anwesen vor dem Wiesentor übernommen und Walburga Paulus aus Thalkirchen geheiratet. Von den weiteren Kindern, die das Paar zusammen hatte, starben alle nach wenigen Monate. Die Tochter Walburga scheint zeitlebens kränklich gewesen zu sein, Sohn Anton litt an einer in der Familie des Vaters vorkommenden Geisteskrankheit. Seine Pflege und Unterbringung brachte die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. Anton Sporer war gezwungen, auf sein Haus eine Hypothek aufzunehmen. Nach seinem Tod 1891 versuchte seine Witwe sich und ihre Tochter mit „Kleidermachen" durchzubringen.
Das Haus in der Kaiserstraße konnte sie allerdings nicht halten. Um 1905 verkaufte sie das Anwesen an den wohlhabenden Kaufmann Ludwig Wachter, der das kleine Haus abreisen ließ und den Grund in das bereits in seinem Eigentum befindliche Areal Kaiserstraße und Ellmaierstraße integrierte. Walburga Sporer starb 1909 in einer Wohnung Am Salzstadel im Alter von 69 Jahren.