Mai - Das Rosenheimer Amtsgericht

In der Königstraße Nummer 16 war 1874 das neue Rosenheimer Amtsgericht gebaut worden. Damals hieß es allerdings noch Stadt- und Landgericht und war seit der Trennung von Justiz und Verwaltung im Jahr 1861 nun für zivile Streitigkeiten bis zu einem Streitwert von 150 Gulden und geringfügige, strafrechtliche Handlungen zuständig. Die Verwaltungsangelegenheiten regelten die neu geschaffenen Bezirksämter. Das Rosenheimer Bezirksamt erhielt 1877 ebenfalls in der Königstraße einen Neubau. Damals hieß die Straße noch Bahnhofstraße, da das heutige Rathaus noch bis 1878 als Bahnhof genutzt wurde. Mit der Verlegung des Bahnhofs wurde die Straße dann in Königstraße umbenannt. Nach dem Gerichtsverfassungsgesetz von 1877 traten an die Stelle der Stadt- und Landgerichte die einheitlichen Amtsgerichte, die mit einem Oberamtsrichter, drei Amtsrichtern, zwei Sekretären, drei Kanzlisten, einem Amtsdiener und einem Amtsdienergehilfen besetzt waren. Das Kalenderbild zeigt vorne links den Zugang zum Rathaus, auf der linken Straßenhälfte ist das Amtsgerichtsgebäude zu sehen. Das kleine Haus davor gehörte dem Schieferdeckermeister Johann Winhart, der es vermutlich 1878 dem Hoflieferanten, Kunstschlossermeister und späteren Kommerzienrat Peter Wolf verkaufte. Wolf richtete einen Kunstschlossereibetrieb ein, den er 1897 wesentlich erweiterte. Die Straße ist zwar schon gekiest, aber noch nicht gepflastert. An der Ecke zum Zugang des Rathauses steht eine Gasstraßenlaterne, die mit der Errichtung der Rosenheimer Gasfabrik 1863 aufgestellt wurde. Das Wohnhaus auf der rechten Seite gehörte der Majorswitwe Albertine Plötz.