Februar - Das Maier-Bad an der Königstraße

Um 1880 hatte Rosenheim durch die Besuche des deutschen Kaisers im später nach ihm benannten Kaiserbad einen guten Ruf als Kur- und Badestadt. Neben den traditionellen großen Bäder wie Marien-, Kaiser- und Bismarkbad entstanden zunehmend auch kleinere Badebetriebe von Privatpersonen. 1875 meldete Franziska Maier, die Witwe des Pfarrmesners Kaspar Maier von St. Nikolaus, beim Magistrat das Gewerbe eines Badebetriebs an. Zunächst scheint dies ein kleines Zubrot für ihre Witwenrente gewesen zu sein, da sie nach dem Tod ihres Mannes im April 1872 die vierjährige Tochter Fanny allein versorgen mußte. In der Konkurrenz zu den großen Bäder hatte das Privatbad, das lediglich aus einem Badzimmer im Wohnhaus an der Königstraße 10 bestand, allerdings keine Chance. Deswegen stattete Fanny Maier nach dem Tod ihrer Mutter das Anwesen 1888 mit einem eigenen Badehaus aus, das in einem kleinen Anbau mit zunächst fünf, später dann sieben Badekabinen untergebracht war. Eine an das Badhaus anschließende Moorgrube ermöglichte auch die Verabreichung von Moorbädern. Zusätzlich errichtete Fanny Maier ein kleines Badehüttchen am Mühlbach, der ihr Grundstück gegen die Königstraße begrenzte. Ob die junge Geschäftsfrau, die schon mit 17 Jahren als Waise den Badebetrieb übernahm, erfolgreich gewesen wäre, läßt sich nicht sagen. Bereits schwer erkrankt verkaufte Fanny Maier ihr Anwesen an der Königstraße im Mai 1894 an die Stadtgemeinde Rosenheim um 55.000 Mark. Ein halbes Jahr später, am 10. Dezember 1894, starb Fanny Maier kinderlos im Alter von nur 30 Jahren, und hinterlies ihr ganzes, beträchtliches Barvermögen der Stadt. Wohl durch ihr Schicksal als frühe Waise geprägt, setzte sie einen großen Teil ihres Erbes zweckgebunden für Stiftungen, vor allem für die Erbauung eines Waisenhauses, aus. Der Stadtmagistrat betrieb das Maier-Bad zunächst weiter und verpachtete es an die Metzgers- und Wirtseheleute Johann Baptist und Mathilde Jud, die hier Soole-, Moor-, Fichtennadel- und Reinigungsbäder verabreichten. Aber bereis 1904 scheint sich der Badebetrieb nicht mehr gelohnt zu haben. Das Maier-Bad wurde nur noch als Wohnhaus vermietet. Nach einigen Umbauten wurde das Gebäude 1977 schließlich abgebrochen.
Das Kalenderbild zeigt das Maier-Bad vom Riedergarten aus gesehen. Im Hintergrund sieht man die Spitalkirche und die Gebäude an der Königstraße, rechts das Hotel zum „Deutschen Haus".