In der Adlzreiterstraße

1925
Die Adlzreiterstraße, 1925

Bei der Neubenennung und Neunumerierung der Rosenheimer Straßen wurde 1882 die Botengasse in Adlzreiterstraße umbenannt. In der alten Botengasse wohnten die sog. Boten, die vor Eröffnung der Eisenbahnlinien den Frachtenverkehr vermittelten und als Vorläufer der Spediteure galten. 1882 wurde die Straße nach einem berühmten Sohn der Stadt benannt, nach Johann Adlzreiter von Tettenweis, der am 2. Februar 1596 als Sohn eines bürgerlichen Nestlers in der Botengasse geboren wurde. Nestler stellten Lederschnüre und Riemen zum Binden von Schuhen, Hemden oder Kitteln her und waren auch als Lederfärber tätig. Der begabte Johann Adlzreiter wurde nach München zur Schule geschickt und studierte bei den Jesuiten in Ingolstadt. Aus finanziellen Nöten war Adlzreiter gezwungen, neben seinem Studium eine Schreiberstelle beim Landgericht Pfaffenhofen anzunehmen. 1622 beendete er die Universität als Licentiat der Rechte. Nach kurzer Tätigkeit als Advokat in Straubing wurde er 1625 zum kurfürstlichen Hofkammerrat ernannt und wurde im gleichen Jahr auch Revisionsrat. Kurfürst Maximilian I. berief ihn zum Leiter des Geheimen Archivs und gab ihm 1639 auch einen Sitz und eine Stimme im Geheimen Rat. Der beispiellose Aufstieg des Rosenheimer Bürgersohnes endete 1650 mit der Verleihung der kurfürstlichen Kanzlerwürde. Damit verbunden war die Anwartschaft auf Lehensgüter in Niederbayern, nach denen er sich nun "von Tettenweis" nennen durfte. Das Testament seines Kurfürsten bestimmte ihn außerdem zum Mitglied des Rates, der bis zur Großjährigkeit des Kurprinzen Ferdinand Maria Regierung und Vormundschaft führen sollte. Adlzreiter starb am 11. Mai 1662 in München und liegt in der Karmeliterkirche begraben. Seine Büste steht in der bayerischen Ruhmeshalle.
Das Kalenderbild zeigt von rechts nach links die Adlzreiterstraße mit den Hausnummern 2 bis 8.
Eine Gedenktafel schmückt heute das Anwesen mit der Hausnummer 6, in dem Adlzreiter geboren wurde.

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2003/2

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