Im Innenhof des Gillitzerblocks

um 1928
Familie Bach beim Zeitungslesen im Innenhof des Gillitzerblocks um 1928

Mit einer Ausgabe des „Rosenheimer Anzeigers" machten es sich Alois und Therese Bach zusammen mit ihrer Tochter Hermine Mittl im Innenhof des Gillitzerblocks gemütlich. Alois Bach, ein Rosenheimer Original, kam über den erlernten Beruf der Bildhauerei zum Theaterspielen. 1894 gründete er das Rosenheimer Volkstheater, das sich unter seiner Leitung einen Ruf weit über die Region hinaus erwarb. Außerdem schrieb Bach eine Reihe von altbayerischen Bühnenstücken, die lange Jahre in den besten Volkstheatern zum festen Repertoire gehörten. Sein Rosenheimer Volkstheater spielte zunächst in der „Alten Post" am Ludwigsplatz. Thomas Gillitzer veranlasste Alois Bach 1900 aber zur Umsiedelung in die Theaterräume des Hotels „Deutscher Kaiser" im Gillitzerblock. Später betrieben Alois und Therese Bach auch das Hotel und den Theatersaal. 1918 konnte das Ehepaar sogar das Hotel und die angrenzenden Häuser an der Gillitzerstraße erwerben.
Der geschützte Innenhof des Gillitzerblocks bot der Familie Bach ungestörte Mußestunden. Die Beziehung der Familie zum „Rosenheimer Anzeiger" kam vom Ehemann der Tochter, Hans Mittl, der seit November 1917 die Chefredaktion der Zeitung bzw. die Hauptschriftleitung, wie man damals sagte, inne hatte. 1919 heiratete er Hermine Bach. 1933 wurde Mittl, der sich geweigert hatte, der NSDAP beizutreten, zum Lokalredakteur degradiert; seine Position an der Spitze der Redaktion erhielt Hans Birling. 1935 folgte die Kündigung. Resigniert zog sich Mittl ins Privatleben zurück, da er aufgrund der wohlhabenden Familie der Ehefrau keine finanzielle Notlage fürchten musste. Ein Nierenleiden setzte ihm schwer zu, und Mittl war bis zu seinem Tod im Jahr 1936 in ärztlicher Behandlung. Seine Frau Hermine führte nach dem Tod ihrer Eltern das Kino „Kaiserlichtspiele" im Gillitzerblock weiter, das ihr Vater Alois Bach schon 1912 im Hotelsaal unter dem Namen „Lichtspiele Helios" eingerichtet hatte. Hermine Mittl betrieb das Kino bis zu ihrem Tod im Jahr 1960.
Das Kalenderbild entstand Ende der 1920er Jahre. Alois Bach trägt das zu seinen „Lebensrequisiten" gehörende samtene Servicekäppchen.

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2006/4

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