Der alte Friedhof im Jahr 1928

1928

Im alten Rosenheim bestanden seit der Frühen Neuzeit drei Friedhofsanlagen: Der innere bei St. Nikolaus, welcher von vornehmen Geschlechtern noch bis ins 17. Jahrhundert benutzt wurde, der 1562 eingeweihte äußere Friedhof vor dem Münchener Tor bei der Salvatorkapelle als Hauptfriedhof sowie der Pestfriedhof bei der 1644 vollendeten St. Sebastianskapelle. Im Zuge der Planungen für die Saline musste im Frühjahr 1808 der Standort des Hauptfriedhofs verlegt werden. Für eine Übergangsphase vom April 1808 bis 5. September 1809 wurden die Toten auf einem provisorischen Friedhof bei St. Sebastian bestattet, nahe dem alten Pestfriedhof. Für die Anlegung des neuen Friedhofs wurde ein Grundstück der Dr. Geigerschen Stipendienstiftung im Rattenfeld gegen eines der Kommune eingetauscht. Vor 200 Jahren, am 6. September 1809, erfolgte das erste Begräbnis auf dem neuen Friedhof. Dem Friedhof fehlten zunächst noch ein Leichenhaus und die Umfassungsmauern, die ab 1822 nach und nach errichtet wurden. Erst 1835 wurde ein erstes Leichenhaus neben der St. Sebastianskirche erbaut, das 1856 abgerissen und dessen Grund zum Neubau des zweiten Rosenheimer Kapuzinerklosters verwendet wurde. Zugleich wurde von Maurermeister Simon Lutz ein neues Leichenhaus im Friedhofbereich erstellt. 1874-78 wurde unter der Bauleitung seines Sohnes Max Lutz der Friedhof erstmals nach Westen erweitert und die Südmauer errichtet. In diesem Zuge wurde das Leichenhaus an die neue westliche Friedhofsbegrenzung verlegt und Arkaden angebaut; anstelle des alten Leichenhauses wurde das Missionskreuz in der Mitte des Friedhofs errichtet. Die östliche Umfassungsmauer mit dem Portal wurde 1883 errichtet. Das anhaltende Wachstum der Stadt seit der Gründerzeit machte schon bald darauf eine weitere Vergrößerung der Fläche notwendig. 1897 wurde der Friedhof erstmals nach Norden erweitert und in diesem Zuge wiederum durch Max Lutz die heute noch bestehende neoromanische Aussegnungshalle errichtet, das vierte Leichenhaus der Anlage. Infolgedessen wurde 1899 das frühere Leichenhaus zur Friedhofkapelle umgewandelt. 1925 schließlich erfolgte eine weitere Westerweiterung des Friedhofs.
Die Ansicht von 1928 zeigt den Blick vom Hauptportal nach Westen über den ehemaligen Standort des zweiten Leichenhauses zur Friedhofkapelle. 

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2009/11

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