Das Marienbad

um 1900
Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2005/07

Kaum bekannt ist, dass Rosenheim auch eine Tradition als Kur- und Badestadt hatte. Bereits 1615 hatte der Arzt Tobias Geiger die stark eisenhaltige Küpferlingquelle entdeckt. 1700 ließ der Ratsherr Wolff Jakob Ruedorffer die Quelle fassen und in ein Haus, das in der Nähe von Loreto gelegen war, leiten. Sehr bald wurde damit das Anwesen zum Heilbad, dem späteren Kaiserbad. 1867 war in Rosenheim eine weitere Badeanstalt, das Marienbad, an der Haustätter Straße 22, später 28, errichtet worden, das 1874 bereits von 22 Kurgästen und acht „Passanten" frequentiert wurde. Verabreicht wurden in diesem Jahr 1.454 Mineral-, 512 Sole- und 52 Moorbäder. Fünf Jahre später besuchten in der Badesaison 1879 bereits 235 Kurgäste das Marienbad. Von 16. auf 17. Juli 1883 und von 20. auf 21. Juli 1884 übernachtete hier - ausnahmsweise - auch Kaiser Wilhelm I. auf seiner Reise zum Sommerurlaub in Bad Gastein; ansonsten logierte der Monarch im nach ihm benannten Kaiserbad. Am Abend des 25. Oktober 1887 brach im Seitenflügel des Marienbades ein Feuer aus, das durch den heftigen Nordwind auch auf die Dachung des Hauptbaus übergriff. Der damalige Besitzer Albert Rumpp erhielt 9.964 Mark Entschädigung aus seiner Brandversicherung und konnte damit den beschädigten Gebäudeteil wieder aufbauen. Nach seinem Tod betrieb seine Witwe Maria Rumpp den Bade- und Hotelbetrieb weiter. Im Stadtadressbuch von 1896 inserierte sie „freie, ruhige Lage, prachtvolle Aussicht, renommierte Küche, schattigen Garten, schöne Zimmer, Pension billigst". Als Hausarzt stand den Gästen des Bades Dr. Julius Mayr zur Verfügung. Das Marienbad war auch das Geburtshaus von Hermann Göring, der hier am 12. Januar 1893 während eines Kuraufenthalts seiner Mutter geboren wurde. Deswegen wurde die Haustätter Straße während des Dritten Reichs in Göringstraße umbenannt. 1898 ließ der neue Besitzer des Marienbades, der Gastwirt Johann Albrecht, einige bauliche Veränderungen wie modernere Toilettenanlagen und den Anbau eines verglasten Balkons vornehmen. Das Marienbad führte er nur noch als Gastwirtschaft ohne Bade- und Hotelbetrieb. 1904 übernahm der Bäckermeister Jakob Kirmaier die Gastwirtschaft. Die weiteren Besitzwechsel und die Bebauung der einst großen freien Grünanlage rund um das Gebäude lassen sich in den alten Akten nicht mehr genau nach vollziehen. 1922 beantragte das „Technische Bureau Würfel und Meirandres" den Einbau von Büro- und Lagerräumen in den ehemaligen Gastlokalitäten. 1932 erscheint die Auerbrauerei Rosenheim als neuer Besitzer, die um Genehmigung zur Fassadenerneuerung nachsuchte. 1958 investierte der nunmehrige Besitzer des Marienbads, der Aiblinger Geschäftsmann Sebastian Feile, in das Gebäude. Die Fassaden wurden in Stand gesetzt, eine Warmluftheizungsanlage eingebaut, und 1970 folgte der Anschluss an das Kanalisationsnetz der Stadt. Als mit Beschluss vom 27. Dezember 1965 die Haustätter Straße in der Heilig-Geist-Straße aufging, erhielt das Gebäude die Hausnummer Heilig-Geist-Straße 58.
Das Kalenderbild zeigt das Marienbad um das Jahr 1900. Die Zufahrt von der Haustätter Straße ist noch nicht gepflastert, am rückwärtigen Wirtschaftsgebäude ist bereits der 1900 errichtete Kamin erkennbar.

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2005/7

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