Das Bahnhofsgelände aus der Vogelperspektive um 1910

1910
Das Bahnhofsgelände aus der Vogelperspektive um 1910

In der Bildmitte zeigt sich das Empfangsgebäude des 1876 eröffneten neuen Rosenheimer Bahnhofs. Rechts daneben befindet sich das 1901 errichtete Bahnhofspostamt. Zur Linken des Empfangsgebäudes, etwas verdeckt durch Baumbewuchs, steht das erste Oberbahnamt, heute das letzte in der ursprünglichen Gestalt erhaltene Relikt der gründerzeitlichen Bahnhofsanlage. Die Gleisanlage des Bahnhofs bildete zunächst eine unüberwindliche Barriere für die weitere Stadtentwicklung in Richtung Mangfall. Die Verbindung der Stadt nach Süden wurde um 1900 durch die Unterführung an der Kufsteiner Straße, die Brücke über die Münchener Straße und einen 100 Meter langen Steg über die Gleisanlagen verbessert. Dadurch konnten auch südlich der Gleisanlagen vermehrt Wohnhäuser errichtet werden. Das im Vordergrund am linken Bildrand sichtbare Doppelwohnhaus an der damaligen Kunstmühlstraße 25a und 26 (1905 umbenannt in Enzenspergerstraße, heute Klepperstraße 5 und 7) wurde schon 1896/97 durch Marin Denk erbaut. Das daneben befindliche Wohnhaus war bereits 1893 durch den Lokomotivführer Gustav Zimmermann erstellt worden. Rechts vorne ist, am Holzlagerplatz der Firma Steinbeis, die 1885 errichtete Gleisanlage vom Bahnhof zur Kunstmühle zu sehen.
Das Steinbeis´sche Unternehmen war entstanden, nachdem 1863 ein Konsortium schwäbischer Holzindustrieller und Bankiers das Schloss Brannenburg erworben hatte. Unter der Geschäftsführung des Industriepioniers Kommerzienrat Otto von Steinbeis (1839-1920), eines Sohns des bedeutenden schwäbischen Volkswirtschaftlers Ferdinand von Steinbeis, stieg die Firma zu den wichtigsten Holzbetrieben Oberbayerns auf. Um 1880 pachtete Steinbeis die kleine Salinsäge in Rosenheim und baute außerdem 1885 das Sägewerk Obermühle am Hammerbach in Rosenheim aus. Die Firma unterhielt neben den Betrieben in Brannenburg und Rosenheim noch eine Papierfabrik in Bruckmühl. Bekanntheit erlangte Otto von Steinbeis durch zwei besonders ambitionierte Unternehmungen: Die holzwirtschaftliche Erschließung der bosnischen Wälder und den Bau der Zahnradbahn auf den Wendelstein 1910-12.

Quelle: Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim", 2011/1

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